Indigene Umweltschützer*innen im Kongo-Becken

 
Das Leben von Tausenden Indigenen im Kongo-Becken wird im Namen des Naturschutzes zerstört. Sie werden misshandelt, geschlagen und illegal von ihrem angestammten Land vertrieben, obwohl sie es so gut schützen wie niemand sonst.
Unsere Eltern haben uns gelehrt, dass es Verschwendung ist viele Tiere zu töten. Wir wissen, wie wir unsere Wälder verwalten können
“Baka-Mann in Kamerun”


© Kate Eshelby /Survival

Als ursprüngliche Bewohner und Beschützer des zweitgrößten Regenwaldgebietes der Erde, dem Kongo-Becken, haben Jäger-und-Sammler-Völker wie die Baka- und Bayaka-“Pygmäen” einen enormen Wissensschatz über die lokalen Pflanzen und Tiere aufgebaut. Die Baka haben 15 verschiedene Namen für den Waldelefanten, je nach Alter, Geschlecht, Temperament und magischem Zustand. Sie berichten von schwindenden Elefantenpopulationen wegen Überjagung durch Fremde.

Aber die Baka und Bayaka haben nicht nur ein tiefes Wissen über ihre Umwelt aufgebaut, sondern auch ausgefeilte Methoden entwickelt, um sie zu schützen.

Das Land der Indigenen wird fälschlich als “Wildnis” angesehen, obwohl es über Jahrtausende von Menschenhand gestaltet und verwaltet wurde. Die Baka und Bayaka kennen beispielsweise verschiedene Methoden, um wilde Yams zu vermehren und sicherzustellen, dass sie gut nachwachsen. Auf diese Art helfen sie überall in der Region kleine Areale mit Yams zu schaffen, einem von Elefanten und Wildschweinen geliebten Futter. Auch heute gestalten sie durch das Roden kleiner Gebiete für ihre Lager ein Mosaik von verschiedenen Vegetationstypen. Ein Baka-Mann sagte uns: “Die Leute, die sagen sie beschützen den Wald, kennen ihn nicht so wie wir.”

Der niedrige soziale Status und die fehlende politische Teilhabe der „Pygmäen“ macht es ihnen schwer, ihr Land – und die Ressourcen darauf – zu schützen.


Der niedrige soziale Status und die fehlende politische Teilhabe der „Pygmäen“ macht es ihnen schwer, ihr Land – und die Ressourcen darauf – zu schützen.

© Cathryn Townsend

Die Baka und Bayaka zählen zu den egalitärsten Gesellschaften der Welt. Es ist gängiger Glaube, dass zu viel vom Wald zu vereinnahmen oder ihn unzureichend mit der Familie und dem Freundeskreis zu teilen den zukünftigen Jagderfolg schmälern wird. Solche Tabus schützen den Wald vor Überjagung.

Einige Bayaka hinterlassen zusammengerollte Blätter auf Wegen, die in Teile des Waldes führen, in denen die Jagd erfolglos geblieben war. Andere meiden dann diese Gebiete und geben den Tieren dort Zeit sich zu erholen.

Diese ungeschriebenen Regeln zum Umweltschutz fördern nicht nur Gleichheit und Teilen, sie sind auch ein wichtiger Teil der Art, wie Baka und Bayaka ihre Umwelt verwalten. Trotzdem werden Baka und Bayaka heute von Antiwilderei-Einheiten und Wildhütern durch Misshandlungen und Gewalt aus den Wäldern vertrieben.

Viele erzählen Survival davon, dass es ihnen nicht mehr möglich ist, ihren Kindern wichtige Kenntnisse und Werte zu vermitteln. Einige Baka beklagen zum Beispiel, dass sie ihren Kindern keine Waldgeschichten, sogenannte Likano, mehr erzählen können. Sie enthielten oft Lehren darüber, wie man gut im Wald lebt. “Dies sind die Wälder unserer Vorfahren, aber wir spazieren nicht mehr durch sie. Wir haben Angst. Wir essen schlecht”, prangert eine Bayaka-Frau an.

Weite Teile des Landes der Baka wurden von Holzfällern und großen Naturschutzorganisationen übernommen, ohne, dass die Baka je gefragt worden wären.


Weite Teile des Landes der Baka wurden von Holzfällern und großen Naturschutzorganisationen übernommen, ohne, dass die Baka je gefragt worden wären.

© Lambert Coleman

Die Baka und Bayaka kennen ihr Land besser und wissen mehr darüber, was auf ihm vorgeht, als irgendwer sonst. “Wir wissen, wann und wo Wilderer im Wald sind, aber niemand hört auf uns”, sagt ein Baka-Mann. Naturschützer*innen und Regierungen ignorieren diese riesige Menge an Daten, oder – noch schlimmer – Antiwilderei-Einheiten versuchen durch Folter an Informationen zu kommen.

Seit Jahrzehnten betonen Expert*innen, dass indigene Völker ein Gewinn für die Orte sind, an denen sie leben. Trotzdem werden sie nach wie vor im Namen des Naturschutzes verfolgt. Waldlager werden regelmäßig angezündet und zerstört. Viele Baka berichten, dass dies ihre Lebensenergie, ihr Bindongobo, zerstört und dass einige sich davon nie wieder erholen. Eingesperrt in informellen Siedlungen an Straßenrändern, berichten viele Baka und Bayaka von schlimmen Gesundheitszuständen, während sie gerade so ihre Familien über die Runden bringen und zusätzlich zum Verlust ihrer Medizinpflanzen aus dem Wald mit neuen Krankheiten klarkommen müssen.

Diese Vertreibungen und Misshandlungen sind nicht nur illegal: Sie schaden dem Naturschutz. Indigene Völker zu Sündenböcken zu erklären lenkt von den wahren Gründen der Umweltzerstörung ab. Im Kongo-Becken sind das Abholzung und Korruption. Holzunternehmen graben neue Straßen tief in den Regenwald und ziehen damit Fremde in vorher abgelegene Regionen. Kriminelle Wilderer-Netzwerke etablieren sich und operieren als Komplizen von Militäreliten und lokalen Regierungen. Manche dieser Firmen und korrupten Beamten werden sogar durch Naturschützer unterstützt, die Partnerschaften mit Holzfällern, Trophäenjägern und Regierungen eingehen, die die besten Verbündeten der Natur vernichten.

Tausende Siedler folgen den Holzfällern und errichten Farmen. Sie stehen den Indigenen oft feindseelig gegenüber und zerstören ihre Heimat.


Tausende Siedler folgen den Holzfällern und errichten Farmen. Sie stehen den Indigenen oft feindseelig gegenüber und zerstören ihre Heimat.

© © Salomé/Survival

Für die Baka und Bayaka sind die Wälder des Kongo-Beckens ihr Zuhause und die Wurzel ihrer Identität. Sie hängen von ihren Wäldern ab und sind diejenigen, die am allerbesten die empfindlichen Ökosysteme schützen, die sie am Leben halten. Wie ein Baka-Mann uns erzählt hat: “Wir ernähren uns vom Wald, heilen unsere Krankheiten durch den Wald. Wir haben unsere Kultur, die uns an den Wald bindet. Diese Verbindung ist sehr, sehr wichtig für uns, für den Wald und für die Erde.”

Der einzige Weg, die unglaubliche Biodiversität und natürliche Schönheit des Kongo-Beckens zu retten, ist die Rechte indigener Völker zu respektieren. “Gott hat uns für den Wald gemacht”, sagte uns ein Baka-Mann. Gut möglich, dass der Wald ohne sie verloren wäre.