FLIEßBAND-SCHULEN

AUSLÖSCHUNG INDIGENER VÖLKER IM NAMEN VON BILDUNG

„In der Schule nennen uns die Lehrer schmutzig. Man nennt uns Schweine und Hunde.“

Rahman, Orang Asli, Malaysia

Heute werden weltweit rund zwei Millionen indigene Kinder in Fließband-Schulen unterrichtet, wo sie ihrer indigenen Identität beraubt und indoktriniert werden, um sich an die Mainstream-Gesellschaft anzupassen.

Wir haben das Ziel, Fließband-Schulen zu beenden. Die Bildung von indigenen Völkern muss unter ihrer Kontrolle stehen; sie muss auf ihrem angestammten Land, in der eigenen Sprache und Kultur verankert sein und Stolz auf sich selbst und ihre Gesellschaft wecken.

Hilf uns, indigene Bildung wieder unter die Kontrolle der indigenen Völker zu bringen.

Für Fließband-Schulen ist es „falsch“, indigen zu sein.

Die von ihnen angebotene „Ausbildung“ soll dies „korrigieren“. Fließband-Schulen behaupten, dass sie indigenen Kindern die Mittel an die Hand geben, um in der Mainstream-Gesellschaft „erfolgreich zu sein“. Die Geschichte zeigt jedoch, dass diese Schulen Leben zerstören und Kindern, ihren Familien und ihren Gemeinschaften über Generationen hinweg Traumata und Verwüstung zufügen.

Carlisle „Indianer-Schule“, USA 1884, Pennsylvania, U.S. c1900. © Cumberland County Historical Society

Indigene Kinder an einer Internatsschule für 27.000 Schüler*innen, die 1993 eröffnet wurde. © Kalinga Institute of Social Sciences

Fließband-Schulen damals

Im 19. und 20. Jahrhundert waren Fließband-Schulen in Kanada, Australien und den USA als Residential Schools oder Boarding Schools bekannt. Allein in Kanada starben über 6.000 Kinder in ihnen – das ist eines von 25 Kindern, die diese Schulen besuchten.

Das unvorstellbare Trauma, das dieses System verursacht hat, hat in vielen Gemeinden ein schmerzhaft raues Erbe hinterlassen, mit hohen Raten von Depressionen, Selbstmord, Alkohol- und Drogenmissbrauch.

Es scheint unvorstellbar, dass es solche Schulen weiterhin geben könnte, aber im Augenblick existieren Tausende von ihnen in Afrika, Asien und Südamerika.

Fließband-Schulen heute

Wir schätzen, dass heute zwei Millionen indigene Kinder in Fließband-Schulen weltweit „ausgebildet“ werden.

In diesen Schulen sind die Kinder von ihrem Zuhause, ihrer Familie, ihrer Sprache und Kultur abgeschnitten und werden oft emotional, körperlich oder sexuell missbraucht. Allein im indischen Bundesstaat Maharashtra zum Beispiel starben zwischen 2001 und 2016 fast 1.500 indigene Kinder in Internatsschulen, darunter über 30 Selbstmorde.

Zerstörung von Gemeinden und Sprachen

Norieen Yaakob vom Temiar-Volk in Malaysia überlebte kaum die Flucht aus ihrer Internatsschule. Sie wurde 47 Tage nach der Flucht aus der Schule gefunden; fünf weitere Kinder starben.

Fließband-Schulen lehren Kindern, dass der Glaube und das Wissen über die eigene Gesellschaft „rückständig“, „minderwertig“ oder falsch sind.

Millionen von indigenen Kindern ist es verboten oder ihnen wird davon abgeraten, in der Schule ihre Muttersprache zu sprechen. Dies bedroht das Überleben der indigenen Sprachen. Die Hauptursache für das Aussterben von Sprachen ist, wenn Kinder nicht mehr die Sprache ihrer Eltern sprechen. Das ist eine Katastrophe, denn indigene Sprachen sind der Schlüssel für unser Verständnis der Welt, unseres Selbst und unserer Fähigkeiten als Menschen.

Im Internationalen Jahr der indigenen Sprachen enttarnt Survival Fließband-Schulen als eine der größten Bedrohungen für gefährdete Sprachen.

Vom „Steuerempfänger“ zum „Steuerzahler“

Fließband-Schulen existieren, um indigene Kinder – die ihre eigene Sprache und Kultur haben – zu konformen Arbeiter*innen der Zukunft zu machen. In den Worten des weltweit größten kulturzerstörenden Internats: „Wir machen Steuerempfänger zu Steuerzahlern, Bürden zu Gewinnen.“

Große Unternehmen und die Rohstoffindustrie sponsern oftmals solche Fließband-Schulen. Diese Unternehmen wollen von indigenem Land, Arbeitskräften und Ressourcen profitieren, und die Internate sind ein billiges Mittel, um dies langfristig zu sichern.

Die Rohstoffindustrie in Indien und Mexiko unterstützt Schulen, die Kindern beibringen, den Bergbau zu erlernen und die Verbindung, die ihr Volk zu seinem Land hat, als „primitiv“ abzulehnen.

Staaten nutzen die Schulbildung als Mittel, um Patriotismus zu schulen und Unabhängigkeitsbewegungen zu unterdrücken, wie in West-Papua, wo die indonesische Regierung versucht, indigene Papuaner*innen „zu indonesisieren“ und den Widerstand gewaltsam unterdrückt.

Die religiöse Bekehrung ist ein weiteres Motiv. In Bangladesch und Indonesien untermauert islamische Missionierung die indigene Bildung; in Südamerika betreiben verschiedene christliche Kirchen Missionsschulen und dazugehörige Internate. Hinduistische Fundamentalisten in Indien zielen auf indigene Kinder ab, um sie durch Schuldbildung zu konvertieren.

Papuanische Jungen, die in ein islamisches Internat in Jakarta gebracht wurden. © Michael Bachelard / Survival

Ein Verlust für die ganze Menschheit

Diese Verachtung für indigenes Wissen und Kultur führt schließlich zur Zerstörung indigener Völker und ihrer einzigartigen Gesellschaften und Kenntnisse.

Zu Hause lernen indigene Kinder komplexe und anspruchsvolle Fähigkeiten und Kenntnisse, die es ihnen ermöglichen, auf ihrem angestammten Land gut zu leben und es für die Zukunft zu pflegen.

Obwohl dies über Hunderte von Generationen überlebt hat, kann es in nur einer einzigen ausgelöscht werden. Indigene Völker sind die besten Naturschützer und Wächter der Umwelt. Tausende Jahre kollektiver Weisheit, Verständnis und Einsicht können innerhalb einer Generation verloren gehen, wenn Kinder nicht in ihren Gemeinschaften und Sprachen lernen.

Die Enawene Nawe aus Brasilien kontrollieren ihre Bildung, die in ihrer Kultur und Sprache verwurzelt ist. © Survival International

Was ist die Lösung?

Die Bildung von indigenen Völkern muss unter ihrer Kontrolle stehen. Sie muss auf dem angestammten Land, in der Sprache und in der Kultur des Volkes verwurzelt sein. Sie muss ihren Kindern eine solide Ausbildung ermöglichen und ihnen vermitteln, stolz auf sich und ihre Gemeinschaft zu sein.

Lass uns dies für alle indigenen Kinder verwirklichen – bevor es zu spät ist.

Orang Rimba-Kinder lernen mit der Organisation Sokola Rimba (The Jungle School), Indonesien © Aulia Erlangga

Baka-Kind lernt im indigenen Bildungsprojekt „Two Rabbits“ in Kamerun. © Sarah Strader/chasingtworabbits.org

Was tut Survival?

Aufdecken des Problems

Die ganze Welt muss das Ausmaß und die Auswirkungen von Fließband-Schulen kennen, damit wir dieses brutale System beenden können.

Einsatz für den Wandel

Wir betreiben Lobbyarbeit gegenüber Regierungen und der UN, um ein Ende dieser Schulen zu fordern.

Eine Lösung vorantreiben

Wir sammeln positive Beispiele für Schulen und Bildungsprogramme, in denen indigene Kinder auf ihrem Land, bei ihren Familien, in ihren Sprachen lernen. Wir teilen diese auf breiter Basis, um Hoffnung zu wecken und Veränderung anzuregen.

Wir werden nicht aufgeben, bis jedes indigene Volk und jede indigene Gemeinde in der Lage ist, eine Ausbildung für seine Kinder zu wählen, die ihre Familie, Kultur, Sprache und Verbindungen zu ihrem Land respektiert – und mehr gibt, als wegnimmt.

Was kannst du tun?