Die Jenu Kuruba zeigen Schilder während ihres Protests außerhalb des Nagarhole-Nationalparks in Indien, aus dem sie im Namen des „Naturschutzes“ vertrieben wurden.

Die Jenu Kuruba zeigen Schilder während ihres Protests außerhalb des Nagarhole-Nationalparks in Indien, aus dem sie im Namen des „Naturschutzes“ vertrieben wurden.

© Survival

Indigene Völker spielen eine zentrale Rolle im Kampf gegen die Klimakrise. Ihr Land schützt 80 % der weltweiten Artenvielfalt. Sie setzen ihr Leben aufs Spiel, um die Umweltzerstörung zu stoppen – von der Bekämpfung der Brände im Amazonasgebiet bis hin zu Demonstrationen gegen Kohleminen in Indien.

Im Vorfeld der diesjährigen UN-Klimakonferenz (COP26) möchten wir von Survival auf drei Konflikte aufmerksam machen, die die zentrale Rolle indigener Völker beim Umweltschutz verdeutlichen:

Indiens Kohle-Boom: Adivasi in Gefahr

Die Notwendigkeit aller Länder ihre CO2-Emissionen zu senken, steht ganz oben auf der Agenda der COP26. Umso erstaunlicher ist die Geschichte, die sich in Indien abseits der Weltöffentlichkeit abspielt.

Im Rahmen von Narendra Modis Vorhaben, Indien energieautark zu machen, verfolgen staatliche und private Bergbauunternehmen eine beispiellose Intensivierung und Ausweitung des Kohleabbaus in den angestammten Gebieten indigener Völker im zentralen Gürtel Indiens.

Die Dimensionen sind schwindelerregend:

- 55 neue Minen sind geplant

- 193 bestehende Minen sollen vergrößert werden

- Die Produktion soll landesweit auf 1 Milliarde Tonnen pro Jahr steigen

In Chhattisgarhs unersetzlichem Hasdeo-Wald, einem der größten gesunden Wälder des Landes, leisten die Gond, die Oraon und andere Adivasi (Indigene) erbitterten Widerstand. Sie wollen ihr Land, ihre Lebensgrundlage und ihren heiligen Wald retten. Ein riesiger Tagebau wurde bereits auf indigenem Land verwirklicht. Der Bau eines weiteren, Parsa, könnte in Kürze beginnen. Hunderte Adivasi marschierten kürzlich 300 km bis nach Raipur, die Hauptstadt des Bundesstaates, um gegen die Pläne zu protestieren.

Adivsai aus dem Hasdeo-Wald protestieren an Ghandhis Geburtstag für ihre verfassungsmäßigen Rechte. Fateppur, Chhattisharh.

Adivsai aus dem Hasdeo-Wald protestieren an Ghandhis Geburtstag für ihre verfassungsmäßigen Rechte. Fateppur, Chhattisharh.
© Vijay Ramamurthy

In ganz Indien wurden viele Adivasi verhaftet, verfolgt und sogar ermordet, weil sie sich gegen den Bergbau wehren.

Dieser Konflikt verdeutlicht die Widersprüche zwischen Absichtserklärungen der Regierung und den tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort. Die Mitarbeiter*innen der Survival-Kampagne „Adivasi gegen Kohle“ kennen das Thema sowie die betroffene Region sehr gut und stehen für Interviews zur Verfügung. Im Rahmen des Alternativkongresses „Peoples Summit for Climate Justice“ findet zu den Repressionen und der Widerstandsbewegung in Indien zusätzlich ein englischsprachiges Panel statt. Wir haben auch Kontakte vor Ort sowie Fotos, Videos und Aussagen von Betroffenen. Schicken Sie eine E-Mail an [email protected] oder rufen Sie uns unter 030 722 931 08 an, um mehr zu erfahren.

„Naturbasierte Lösungen“ und der 30 %-Plan

Wenn es nach Regierungen, Unternehmen und großen Naturschutzorganisationen geht, sollen sogenannte „naturbasierte Lösungen“ eine große Rolle bei der Bekämpfung der Klimakrise spielen – trotz immer lauter werdender Kritik an dem Konzept.

Bei vielen der propagierten Lösungen handelt es sich lediglich um neu verpackte Projekte, welche die Treibhausgas-Emissionen ausgleichen sollen, statt sie von vornherein zu vermeiden. Viele indigene Völker sind entschieden gegen genau diese Vorhaben, da sie es erlauben, indigenes Land zu kaufen und zu verkaufen, während die größten Umweltsünder der Welt ihre schmutzigen Geschäfte fortsetzen können.

Die vielleicht bekannteste „naturbasierte Lösung“ (aus dem Englischen: Nature-Based Solution; oder abgekürzt NbS) ist der 30 %-Plan, der von Regierungen, Nichtregierungsorganisationen und der „High Ambition Coalition for Nature and People“ vorangetrieben wird und vorsieht, bis zum Jahr 2030 die weltweit als „Naturschutzgebiete“ ausgewiesene Fläche zu verdoppeln.

Die Einrichtung solcher Schutzgebiete in Gebieten, die von indigenen Völkern und lokalen Gemeinschaften bewohnt werden, führt jedoch häufig zu deren Vertreibung und Unterdrückung. Die überwiegende Mehrheit der Schutzgebiete in Afrika und Asien hat zum Beispiel zur Vertreibung indigener Völker oder lokaler Gemeinschaften geführt. Die Forderung nach der Einrichtung von weiteren Naturschutzgebieten bedeutet daher mehr Landraub, Militarisierung, Mord, Folter und Missbrauch.

Survival arbeitet zusammen mit indigenen Gemeinschaften in Indien, die für Tiger-Reservate von ihrem Land vertrieben wurden, und im Kongobecken, wo Baka, Bayaka und weiteren indigenen Völkern ihr Land gestohlen wurde, um ein weitläufiges Netzwerk von Schutzgebieten zu schaffen.

Die Mitarbeiter*innen der Kampagne „Die große grüne Lüge“ kennen das Thema und die Fälle im Globalen Süden und stehen für Interviews zur Verfügung. Wir haben auch Kontakte vor Ort sowie Fotos, Videos und Aussagen von Betroffenen. Schicken Sie eine E-Mail an [email protected] oder rufen Sie uns unter 030 722 931 08 an, um mehr zu erfahren.

Zerstörung des Amazonas = Völkermord an Indigenen

Wälder, die indigenen Völkern und lokalen Gemeinschaften gehören und von ihnen kontrolliert werden, binden etwa 37,7 Milliarden Tonnen CO2 – 29 Mal mehr als die Summe der jährlichen Emissionen aller Autos der Welt.

Die rasante Zerstörung des Amazonasgebiets in den letzten Jahren ist bekannt. Präsident Bolsonaro hebt Umweltvorschriften auf und treibt seinen Plan voran, indigene Gebiete für Bergbau, Abholzung und Rinderzucht zu öffnen. Allein von März bis Mai des letzten Jahres verabschiedete die Regierung 195 Exekutivgesetze, darunter Verordnungen, Dekrete und andere Maßnahmen, die direkt oder indirekt auf den Abbau, die Schwächung und die Aushebelung von Gesetzen zum Schutz der Umwelt abzielen.

Mehrere Krisenherde in ganz Brasilien veranschaulichen die völkermörderischen Folgen dieser Politik:

- Die einzige kontaktierte Angehörige der Piripkura hat ihre Befürchtung geäußert, dass Holzfäller*innen, die illegal im Gebiet ihres Volkes tätig sind, bald ihre unkontaktierten Verwandten töten könnten. Sie beschrieb, wie neun ihrer Verwandten bei einem Angriff von Holzfäller*innen massakriert wurden, und wies darauf hin, dass ihr Bruder und ihr Neffe, Baita und Tamandua, noch immer unkontaktiert in dem Gebiet leben.

Zwei männliche Angehörige der Piripkura, Tamandua und Baita, gehören zu den letzten Überlebenden ihres Volkes. Die beiden Männer hatten sporadisch Kontakt zu der lokalen Außenstelle der Behörde für indigene Angelegenheiten, entschlossen sich aber in den Wald zurückzukehren.

Zwei männliche Angehörige der Piripkura, Tamandua und Baita, gehören zu den letzten Überlebenden ihres Volkes. Die beiden Männer hatten sporadisch Kontakt zu der lokalen Außenstelle der Behörde für indigene Angelegenheiten, entschlossen sich aber in den Wald zurückzukehren.
© Bruno Jorge

- Das Piripkura-Gebiet ist durch eine Notverordnung geschützt, die gerade erst um sechs Monate verlängert wurde. Diese Landschutzdekrete dienen dazu, die Gebiete unkontaktierter Völker zu schützen.

- Die Yanomami an der brasilianisch-venezolanischen Grenze bewohnen das größte Tropenwaldgebiet der Welt unter indigener Kontrolle. Sie stehen auch an vorderster Front gegen Bolsonaros Pro-Bergbau-Agenda. 20.000 illegale Goldgräber*innen zerstören ihr Land, verschmutzen ihre Flüsse und verbreiten lebensbedrohliche Krankheiten. Kriminelle Banden sind zunehmend in ihrem Gebiet aktiv – sie kontrollieren den Goldhandel und terrorisieren die Yanomami ohne bestraft zu werden.

Das Schicksal des Amazonasgebiets wird auf der UN-Klimakonferenz im Mittelpunkt stehen. Diese und ähnliche Fälle zeigen, wie die indigenen Völker und ihr Kampf für den Schutz ihrer Gebiete die Zukunft der Wälder bestimmen werden. Survival verfügt über persönliche Kontakte und umfangreiches Hintergrundwissen zu diesen und vielen anderen Fällen sowie über eine große Menge an verfügbarem Bild- und Videomaterial. Schicken Sie eine E-Mail an [email protected] oder rufen Sie uns unter 030 722 931 08 an, um mehr zu erfahren.