Krise im Yanomami-Gebiet trotz Ausweisung der Eindringlinge vor einem Jahr

17 Januar 2024

Die Yanomami leiden unter einer akuten Gesundheitskrise. Hunderte von Kindern sind stark unterernährt. © Urihi

Expert*innen warnen davor, dass das indigene Volk der Yanomami im nördlichen Amazonasgebiet Brasiliens von einer akuten und schwerwiegenden Gesundheitskrise betroffen ist. Vor einem Jahr führte die brasilianische Regierung eine groß angelegte Aktion durch, um illegale Bergleute aus dem Gebiet auszuweisen.

Zahlen des offiziellen Gesundheitsdienstes im Yanomami-Gebiet zeigen jedoch:

  • Die Erkrankungen an Malaria sind im Jahr 2023 um 61 % gestiegen, auf mindestens 25.000 Fälle.
  • Auch die Zahl der Grippefälle ist dramatisch gestiegen, von 3.203 Fällen im Jahr 2022 auf 20.524 im Jahr 2023 – ein Anstieg um 640 %.
  • 308 Indigene sind zwischen Januar und November 2023 an nicht-altersbedingten Gründen gestorben, die meisten von ihnen Kinder unter fünf Jahren.

Der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte hat kürzlich ein vernichtendes Urteil darüber gefällt, wie sehr sich die Situation im Yanomami-Gebiet verschlechtert hat:

  • Die Gesundheitsversorgung in dem Gebiet funktioniert kaum noch.
  • Neun Gesundheitsposten, die wiedereröffnet werden sollten, sind immer noch geschlossen.
  • Es gibt kaum Zugang zu sauberem Trinkwasser.
  • Viele illegale Minencamps existieren weiterhin und sind aktiv.
  • „Die Situation ist nach wie vor äußerst ernst und dringlich, und fügt dem Leben sowie der Gesundheit der indigenen Völker irreparablen Schaden zu.“
  • „Es gibt immer noch Gruppen von bewaffneten Bergleuten, die zu organisierten kriminellen Banden gehören, die sich im indigenen Gebiet der Yanomami aufhalten, Waffen an die indigene Bevölkerung verteilen und versuchen, sie zu kontrollieren.“

Jüngste Fotos und Videos aus dem Gebiet zeigen eine unbestreitbare Unterernährung von Kindern und Erwachsenen. Bilder zeigen auch illegale Goldminen, die ungestraft in diesem Gebiet operieren.

Eine von Goldsuchenden errichtete illegale Landebahn kurz hinter der venezolanischen Grenze, im Herzen des Yanomami-Gebietes. Neun Leichtflugzeuge sind zu sehen © Globo TV

Bei einem besonders schockierenden Vorfall, von dem Videomaterial existiert, wurden drei junge Yanomami gefesselt und von Eindringlingen gefangen gehalten.

Dario Kopenawa Yanomami, Vizepräsident der Yanomami-Organisation Hutukara, sagte dazu: „Selbst mit den Notfalldekreten ist die Regierung nicht in der Lage, die Situation zu lösen. Die Bergleute befinden sich immer noch auf unserem Land. Und heute ist der Bergbau noch zerstörerischer als in den 1980er und 90er Jahren. Heute wird der Bergbau von kriminellen Vereinigungen, dem organisierten Verbrechen, dem PCC (Primeiro Comando da Capital) und dem Comando Vermelho (Rotes Kommando) auf dem Gebiet der Yanomami betrieben. Dies ist eine sehr, sehr ernste und für die Yanomami sehr gefährliche Situation. Noch immer sterben Kinder an Malaria und Lungenentzündung, noch immer sterben Kinder an Parasiten und Tuberkulose. Die Yanomami und ihr Land befinden sich in einer humanitären Krise. Wir werden weiterkämpfen und Kritik an der Bundesregierung und an den Landesregierungen von Amazonas und Roraima üben.“

Survivals Forschungsdirektorin Fiona Watson sagte heute: „Trotz der Versprechen von Präsident Lula sich der Situation anzunehmen, als er vor einem Jahr die Operation zur Ausweisung der Bergleute einleitete, ist die aktuelle Situation im Yanomami-Gebiet schlichtweg katastrophal.“

„Die Bergleute strömen zurück in das Gebiet, und inaktive Minen werden wieder reaktiviert.“

„Die verantwortlichen Streitkräfte verzögern bewusst die Operation zu ihrer Ausweisung. Viele lebenswichtige Gesundheitsposten und dringend benötigte Dienstleistungen werden ihrer Rolle nicht gerecht.“

„Auch die Situation der Tausenden von Yanomami, die auf der venezolanischen Seite der Grenze leben, ist katastrophal und wird von den Medien kaum beachtet. Mit Unterstützung des venezolanischen Militärs dringen Bergleute in neue Gebiete in Venezuela vor. Derzeit gibt es eine Malaria-Epidemie, und viele Yanomami sind bereits gestorben.“

„Die Notlage der unkontaktierten Yanomami ist besonders besorgniserregend – wir wissen, dass die Bergleute immer noch nur wenige Kilometer von ihren indigenen Gemeinden entfernt arbeiten.“

„Wenn diese Situation anhält, werden noch Hunderte von Yanomami sterben und ihr Land wird unbewohnbar werden. Es ist unabdingbar, dass die neuen Maßnahmen, die Präsident Lula gerade angekündigt hat, sofort in die Tat umgesetzt werden. Und zwar als Teil einer nachhaltigen, umfassenden Strategie, um die Goldgräber*innen dauerhaft fernzuhalten und die medizinische Versorgung zu gewährleisten, die so dringend gebraucht wird. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass diese Maßnahmen aufrechterhalten werden – andernfalls wird sich diese entsetzliche Geschichte immer und immer wiederholen, bis die Yanomami ausgelöscht worden sind. Es ist höchste Zeit, dass all diejenigen, die vom illegalen Bergbau profitieren, für ihre Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden.“

Hinweise

Die in dieser Pressemitteilung zitierten Zahlen stellen mit ziemlicher Sicherheit eine konservative Einschätzung der tatsächlichen Situation dar, da die Mitarbeitenden der Gesundheitsbehörde zu ihrer eigenen Sicherheit nicht in die entlegeneren Gebiete des Territoriums, in denen die Bergleute leben, reisen.

Die PCC und das Comando Vermelho sind zwei der größten organisierten kriminellen Banden Brasiliens.

Yanomami
Indigenes Volk

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