Biosprit gefährdet Land von 60 Millionen Indigenen

Die Nachfrage nach Biokrafstoffen zerstört das Land und Leben der indigenen Völker, berichten RepräsentantInnen indigener Völker auf dem ständigen UN-Forum für indigene Angelegenheiten (UNPFII), das derzeit in New York tagt.

Ein Bericht, der auf dem UNPFII vorgestellt wurde, spricht von „zunehmenden Menschenrechtsverletzungen, Umsiedlungen und Konflikten aufgrund von Enteignungen der indigenen Länder und Wälder für Biokraftstoffanbaugebiete.“ Eine Autorin des Berichts, UNPFII-Vorsitzende Victoria Tauli-Corpuz, sagte, dass weltweit 60 Millionen Menschen bedroht sind, ihre Land und ihre Lebensweise zu verlieren, wenn die Biokrafstoffexpansion weiter wie geplant zunimmt.

Die Pflanzen für die Gewinnung von Palmöl sind sehr schädlich, wenn sie in großem Stil für die Gewinnung von Biokraftstoffen verwendet werden. Millionen Angehörige  indigener Gruppen in Malaysia sind bereits durch die Palmölplantagen betroffen sowie weitere Millionen Menschen in Indonesien, wo über 6 Millionen Hektar Land mit Ölpalmen bepflanzt wurden, hauptsächlich auf indigenem Territorium. In Kolumbien wurden tausende von Familien –viele von ihnen gehörten zur indigenen Bevölkerung- mit Gewalt von ihrem Land vertrieben, weil dort ebenfalls Ölpalmen und andere Pflanzen angebaut werden sollen.

Alle drei Länder planen, ihre Ölpalmenanbaugebiete zu erweitern. Indonesien kündigte neue Plantagen auf Borneo an, wobei mehr als 5 Millionen Menschen indigener Herkunft umgesiedelt werden sollen. Zudem wurden in Papua 5 Millionen Hektar, größtenteils indigenes Land, für Ölpalmen beräumt. Kolumbien plant eine Anbaufläche von 6,3 Millionen Hektar, was mehr als 100 indigene Gemeinden betreffen würde.
„Wenn die Regierung unser Land nimmt, was bleibt uns dann noch?“, fragte ein indigenes Oberhaupt von Papua in einem Interview mit Survival. „Gibt es dort Plantagen, wird unser Land zerstört.“

Andere Pflanzen zur Biokraftstoffgewinnung sind Zuckerrohr, Soja, Mais, Maniok und Jatropha, eine zentralamerikanische Pflanze. Die Guarani in Brasilien haben einen Großteil ihres Territoriums aufgrund von Zuckerrohrpflanzungen verloren, während die indische Regierung 13,5 Millionen Hektar so genanntes „Ödland“ ins Auge fasst, obwohl das meiste davon eigentlich indigenes Territorium ist.

Der Direktor von Survival, Stephen Corry, sagte heute: „Der Biokraftstoff-Boom hat nicht nur Konsequenzen für die Umwelt, globale Ernährungspreise oder Orang-Utans – es hat ebenso verheerende Folgen für Angehörige von indigenen Gesellschaften. Die Unternehmen, die diese Industrie so fieberhaft verfolgen schrecken in ihrer Gier nach dem Land nicht davor zurück, die indigenen Menschen zu verdrängen.“

Für mehr Informationen wenden Sie sich bitte an Laura Engel unter 030-72293108 oder per E-Mail an [email protected]