Der WWF ist seit über 20 Jahren im Kongobecken tätig und unterstützt Einheiten, die gewalttätige Übergriffe gegen Indigene begangen haben.

Der WWF ist seit über 20 Jahren im Kongobecken tätig und unterstützt Einheiten, die gewalttätige Übergriffe gegen Indigene begangen haben.
© WWF

Gestern hat der WWF einen von ihm beauftragten Bericht über seine Beteiligung an Menschenrechtsverletzungen im Kongobecken, in Indien und Nepal veröffentlicht. Aber die interne Untersuchung „versuchte nicht festzustellen … ob die angeblichen Verstöße … stattgefunden haben“.

Der Schwerpunkt des Berichts lag darauf, „dass der WWF von den angeblichen Missbräuchen durch Ranger wusste, … aber … diese weiterhin unterstützte und mit ihnen zusammenarbeitete und … es versäumte, wirksame Schritte zu unternehmen, um die angeblichen Missbräuche zu verhindern, darauf zu reagieren und sie zu beheben“.

Der Bericht knüpft an frühere WWF-Stellungnahmen an, indem er die Schuld auf staatliche „Ranger" abwälzt, obwohl diese vom WWF finanziert und ausgebildet wurden.

Der Bericht wurde im März 2019 nach den Enthüllungen der Nachrichtenplattform Buzzfeed in Auftrag gegeben. Die Presseberichte untermauerten Recherchen, die zuvor von der Rainforest Foundation UK und Survival International durchgeführt worden waren: WWF-Projekte im Kongobecken hatten den lokalen Baka-, Bayaka und anderen indigenen Völkern ohne ihre Zustimmung ihr angestammtes Land geraubt, und Ranger hatten sie im Namen von „Anti-Wilderei“-Maßnahmen schwer misshandelt.

Angehörige indigener Völker wurden geschlagen, gefoltert, eingesperrt und getötet, wobei weder Frauen, noch Kinder oder ältere Menschen verschont wurden.

Der WWF beauftragte die Londoner Anwaltskanzlei Kingsley Napley – Spezialisten auf dem Gebiet des Reputations-Schutzes – mit der Untersuchung. Diese umfasste eine Überprüfung von internen Dokumenten und getroffenen Entscheidungen. Die Untersuchung wurde anschließend von einem Team von Menschenrechtsexpert*innen „beurteilt“, darunter der ehemalige UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte und Umwelt, John Knox.

Der 160-Seiten-Bericht befasst sich vor allem mit dem WWF-Deutschland, WWF-Indien und WWF-USA. Er wurde zwei Tage vor Thanksgiving veröffentlicht. Einen vergleichbaren Bericht des WWF-Deutschland hatte man 2019 ebenfalls an einem Feiertag veröffentlicht.

Der Bericht räumt ein, dass der WWF in den meisten Fällen von den Missbräuchen wusste, aber dabei versagte, sie zu stoppen. Wenn es eine Reaktion gab, war sie inkonsequent, schwach und kam verspätet, sodass es unmöglich war, gegen Menschenrechtsverletzungen vorzugehen oder sie zu verhindern. Aus dem Bericht geht eindeutig hervor, dass das die Leitung des WWF International, die für die direkte Verwaltung der Programme in Kamerun und der DR Kongo verantwortlich war, es über mehrere Jahre hinweg immer wieder versäumte, korrigierende Maßnahmen zu ergreifen. Er stellt fest, dass der WWF weiterhin Ranger finanziert und unterstützt hat, die im Kongobecken Menschenrechtsverletzungen begangen haben: „Spätestens 2008 hatten Mitarbeitende des WWF Kamerun Vorwürfe von Schlägen und physischer Gewalt durch Parkranger in den Nationalparks im Südosten Kameruns gehört. Dennoch finanzierte und unterstützte der WWF weiterhin Parkranger und arbeitete mit ihnen auf vielfältige Weise zusammen.“

Kongolesische Beamte händigen dem Spitzenbeamten (und WWF-Mitarbeiter) des Salonga-Nationalparks ein Sturmgewehr aus. Einige der Parkwächter sind der Gruppenvergewaltigung, der Folter und des Mordes beschuldigt worden.

Kongolesische Beamte händigen dem Spitzenbeamten (und WWF-Mitarbeiter) des Salonga-Nationalparks ein Sturmgewehr aus. Einige der Parkwächter sind der Gruppenvergewaltigung, der Folter und des Mordes beschuldigt worden.

© Sinziana-Maria Demian / WWF

Der Bericht offenbart auch mangelnde Transparenz der Organisation. Der WWF versteckte Informationen, verschleierte, schwächte seine eigenen Berichte ab und weichte sie auf, um seinen Ruf zu wahren. Dennoch wird in den Schlussbemerkungen des „Expertengremiums“ niemand dafür zur Rechenschaft gezogen und Folgendes behauptet: „Die Kenntnis von Missbrauchsvorwürfen und die fortgesetzte Unterstützung der Parkranger verletzen für sich genommen nicht notwendigerweise die Menschenrechtsnormen.“

Schon am 18. November reagierte das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) auf die Missbräuche, die von den vom WWF finanzierten Rangern im Norden des Kongo begangen wurden. UNDP gab bekannt, seine Unterstützung für das Projekt “Transboundary Biodiversity Conservation into the Basins of the Republic of Congo” zu beenden und seine Arbeit in dieser Region „grundlegend neu auszurichten“. UNDP wird dort jedoch weiterhin Naturschutzmaßnahmen unterstützen und beabsichtigt, trotz der bekannten Menschenrechtsverletzungen, weiterhin mit dem WWF zusammenzuarbeiten.

Stephen Corry, Direktor von Survival, sagte heute: „Ein weiterer von vielen internen Berichten über Menschenrechtsverletzungen beim WWF bestätigt genau das, was wir seit Jahrzehnten ankreiden. Er ist kurz vor Thanksgiving erschienen, mit der Absicht, die schlechte Nachricht möglichst unter dem Festtagstisch zu vergraben. Naturschützer*innen sind derweil damit beschäftigt, ihre Erzählung so umzuformulieren, dass sie auch die Unterstützung der Rechte indigener Völker umfasst. Wir aber haben all dies schon einmal gehört, und in der Praxis scheint sich kaum etwas zu ändern. Die Gebiete indigener Völker müssen ausdrücklich als ihr eigenes Land anerkannt werden. Ihr Recht, unerwünschte Eingriffe abzulehnen, muss gewahrt werden, auch für sogenannte ‘grüne’ Projekte. Sie sind im Schutz ihrer Umwelt besser als diese Naturschutzvereine – wenn wir die biologische Vielfalt wirklich schützen wollen, ist es an der Zeit, sie weitermachen zu lassen.“