Ein kürzlich durchgeführter Flug über das Territorium der Piripkura legt offen, dass auf ihrem Land in großem Maßstab Rinderzucht betrieben wird - eine eklatante Verletzung des unlängst erneuerten Notfalldekrets zum Schutz ihres Landes.

Ein kürzlich durchgeführter Flug über das Territorium der Piripkura legt offen, dass auf ihrem Land in großem Maßstab Rinderzucht betrieben wird – eine eklatante Verletzung des unlängst erneuerten Notfalldekrets zum Schutz ihres Landes.
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Neue Luftbilder eines Forschungsfluges über das Territorium der Piripkura, eines der bedrohtesten unkontaktierten Völker der Welt, zeigen, dass Fremde illegal in ihr Land eindringen und es für die Produktion von Rindfleisch zerstören.

Bei der aktuell andauernden Invasion handelt es sich um eine eklatante Verletzung einer sechsmonatigen Notfallverordnung zum Schutz ihres Landes, die im September erneuert worden ist, und allen Außenstehenden das Betreten ihres Territoriums streng verbietet.

Derzeit findet auf dem Land der Piripkura in großem Stil Rinderzucht statt.

Derzeit findet auf dem Land der Piripkura in großem Stil Rinderzucht statt.
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Der Außenwelt sind lediglich zwei der in diesem Territorium lebenden Mitglieder des brasilianischen Volkes der Piripkura bekannt – doch es ist anzunehmen, dass sich weitere Piripkura, die sich in die Tiefen des Waldes zurückgezogen haben, auf dem Gebiet befinden. Viele Piripkura sind in der Vergangenheit bereits bei Massakern ermordet worden.

Die Piripkura Baita und Tamandua, fotografiert bei einer Begegnung mit Mitarbeiter*innen der brasilianischen Indigenenbehörde FUNAI. Die zwei Männer, bei denen es sich um Onkel und Neffe handelt, hatten früher sporadischen Kontakt zu dem lokalen Team der FUNAI, entschieden sich aber schließlich, im Wald weiterzuleben.

Die Piripkura Baita und Tamandua, fotografiert bei einer Begegnung mit Mitarbeiter*innen der brasilianischen Indigenenbehörde FUNAI. Die zwei Männer, bei denen es sich um Onkel und Neffe handelt, hatten früher sporadischen Kontakt zu dem lokalen Team der FUNAI, entschieden sich aber schließlich, im Wald weiterzuleben.
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Der Überflug ist im vergangenen Monat im Rahmen der Kampagne „Unkontaktiert oder zerstört“ durchgeführt worden, die von den Organisationen COIAB (Koordination der Indigenenorganisationen des brasilianischen Amazonasgebietes) und Opi (Beobachtungsstelle für die Menschenrechte unkontaktierter und vor Kurzem kontaktierter indigener Völker) geleitet und von APIB (Artikulation der indigenen Völker Brasiliens), ISA (Sozioökologisches Institut) und Survival International unterstützt wird.

Die Fotograf*innen entdeckten auch eine Landepiste innerhalb des Territoriums der Piripkura.

Die Fotograf*innen entdeckten auch eine Landepiste innerhalb des Territoriums der Piripkura.
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Die Organisationen veröffentlichten nun ein Dossier mit dem Titel „Piripkura: Ein indigenes Territorium wird für die Rindfleischproduktion zerstört.“ Darin legen sie offen, dass

- die Waldrodungen für Rinderweiden mittlerweile das Gebiet erreicht haben, von dem bekannt ist, dass es von unkontaktierten Piripkura bewohnt wird.

- Straßen, Zäune und sogar eine Landebahn für Flugzeuge gebaut worden sind und dass hunderte Rinder in das Territorium der Piripkura gebracht wurden.

- die Entwaldungsrate im Territorium buchstäblich explodiert und in den vergangenen zwei Jahren um 27.000 % gestiegen ist.

Die Organisation Opi hat darüber hinaus einen eigenen Bericht über die Invasion des Landes der Piripkura herausgegeben. Ihre Untersuchung ergab, dass es sich um das am stärksten entwaldete Territorium eines unkontaktierten indigenen Volkes in Brasilien handelt. Über 12.000 Hektar Land sind bereits zerstört worden.

Die Kampagne „Unkontaktiert oder zerstört“ hebt hervor, dass diverse Notfallverordnungen, die die Territorien unkontaktierter Völker momentan noch rechtlich schützen, in der kommenden Zeit auslaufen. 

Das einzige kontaktierte Mitglied der Piripkura, eine Frau, die unter dem Namen Rita bekannt ist, erklärte Survival kürzlich in einem einzigartigen Aufruf, dass Eindringlinge, die illegal in dem Territorium ihres Volkes operieren, bald ihre Verwandten ermorden könnten und beschrieb, wie neun ihrer Familienmitglieder bei einem derartigen Angriff massakriert wurden.

Sarah Shenker, Leiterin von Survivals Kampagne für unkontaktierte Völker, sagte heute: „Es kann keinen besseren Beweis für die absolute Straflosigkeit, ja die aktive Unterstützung, die jene, die in indigenes Land eindringen und es ausbeuten, unter Präsident Bolsonaro genießen, geben, als das: Kommerzielle Viehzucht in einem Territorium, das für das Überleben eines indigenen Volkes von größter Bedeutung ist und offiziell unter rechtlichem Schutz steht. Mit hohem Tempo nähern sich die Eindringlinge den unkontaktierten Piripkura. Die Piripkura widerstehen diesen Angriffen mit aller Macht und das müssen auch wir tun. Nur ein massiver Aufschrei der Öffentlichkeit kann den Genozid an den Piripkura und anderen unkontaktierten Völkern abwenden. Und auch diese selbst würde davon profitieren: Die Rechte indigener Völker anzuerkennen und durchzusetzen, stellt einen weit günstigeren und effektiveren Weg dar, um den Amazonasregenwald zu schützen, als die fatalen „Lösungen“, die jüngst von Regierungen auf der UN-Klimakonferenz vorangetrieben wurden.“

Elias Bigio von der Organisation Operação Amazônia Nativa (OPAN) äußerte sich heute wie folgt: „Das Gebiet, dass wir dieser Tage überflogen haben, ist erst vor Kurzem für die Produktion von Rindfleisch gerodet worden. Nachdem sie das Holz eingeschlagen haben, wandeln sie das Land jetzt in Rinderweiden um.“

Opi erklärte: „Dieses indigene Territorium und die darin lebenden Piripkura sind in großer Gefahr. Sie leiden unter demselben Prozess, den wir bereits in den Territorien anderer unkontaktierter Völker beobachtet haben. Es handelt sich um den „Bolsonaro-Effekt“, der seit dem Jahr 2019 die Zerstörung von indigenem Land beschleunigt.“