Indische hohe Beamte besuchen erkrankte Jarawa auf Andamanen

Eine Gruppe indischer hoher Beamter flog letzten Freitag auf die Andamanen, nachdem bekannt geworden war, dass bei den isoliert lebenden Jarawa eine Epidemie ausgebrochen ist. Viele Kinder der Jarawa wurden mit verschiedenen Krankheiten wie Lungenentzündungen und Augenproblemen – beides übliche Folgen von Masern – ins Krankenhaus eingewiesen, konnten aber nun bereits in ihren Wald zurückkehren.

Die Beamtengruppe, die von der indischen Regierung ins Leben gerufen worden ist, um dieses Jahr die Zukunft der Jarawa zu beschließen, besuchte das Reservat und traf Mitglieder des Stammes.

Der Direktor von Survival, Stephen Corry, sagte dazu heute, dass "der Regierungsbesuch zur rechten Zeit kam. Niemals zuvor war es so wichtig wie jetzt, die Jarawa und ihr Land zu beschützen. Indien muss seine eigenen Gesetze befolgen und dafür sorgen, dass nicht ein weiterer Stamm ausgerottet wird."

Jarawa-Unterstützer glauben, dass einige der Kinder mit Masern ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Die lokalen Behörden dementierten einen Masernausbruch im Stamm und berichteten von "Schweißbläschen", unter denen einige gelitten hätten. 1999, als 108 Jarawa mit Masern infiziert waren, stritten die gleichen Behörden ab, dass Jarawa Masern hatten, was sie aber dann doch aufgrund von Aussagen einiger ortsansässiger Ärzte wenige Wochen später einräumen mussten.

Viele Stämme wurden durch Masern vernichtet. Im 19. Jahrhundert starb so die Hälfte der Bevölkerung der Great Andamanese einer Insel und alle Bewohner auf einer anderen. Dieser Stamm, früher 5000 Leute stark, zählt heute nur noch 41 Menschen.

Indische Siedler bedrohen massiv das Überleben der Jarawa durch die Besetzung ihres Landes. Indem sie das Reservat über die Straße und die westliche Küste betreten, bringen sie bisher unbekannte Krankheiten, belästigen Jarawafrauen sexuell und führen Alkohol ein. Obwohl der Oberste Gerichtshof 2002 angeordnet hat, die Straße, die illegal den Wald der Jarawa durchschneidet, zu schließen, halten die Behörden die Straße weiter offen und bauen sie aus. Survival hat bereits mehrfach davor gewarnt, dass dadurch die Jarawa einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind.

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Fotos und Videomaterial vorhanden. Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte Laura Engel per mail an [email protected]