„Völkermord in Brasilien stoppen“: Survival startet Kampagne im Jahr der Olympischen Spiele

Die Guarani-Kaiowá erfahren brutale Gewalt und müssen zusehen, wie ihr angestammtes Land geraubt wird. Sie leider unter der höchsten Selbsttötunsgrate der Welt.

Die Guarani-Kaiowá erfahren brutale Gewalt und müssen zusehen, wie ihr angestammtes Land geraubt wird. Sie leider unter der höchsten Selbsttötunsgrate der Welt.

© Fiona Watson/Survival

Survival International hat zeitgleich mit den Olympischen Spielen in Rio 2016 eine Kampagne gestartet, um die Vernichtung indigener Völker zu verhindern.

Am heutigen „Tag der Indigenen“ wird in ganz Brasilien auf die Anliegen und die Kultur indigener Völker aufmerksam gemacht.

Trotz des politischen Chaos, das derzeit in Brasilien herrscht, will die Kampagne auf ernsthafte Menschenrechtsfragen und Bedrohungen für die indigene Bevölkerung aufmerksam machen. Diese Bedrohungen bestehen unabhängig von den politischen Unruhen im Land.

In der Kampagne „Völkermord in Brasilien stoppen“ geht es um den Schutz unkontaktierter indigener Völker im Amazonasgebiet wie der Kavahiva. Zudem wird ein Ende der Gewalt und des Landraubs gegen die Guarani in Südbrasilien gefordert. PEC 215, eine mögliche Verfassungsänderung, die die Landrechte indigener Völker erheblich untergraben würde, soll mithilfe der Kampagne ebenfalls verhindert werden.

Survival setzt sich bereits seit Jahrzehnten für die Rechte unkontaktierter Völker ein, von denen es Schätzungen zufolge allein in Brasilien über 100 gibt. Diese Völker gehören zu den bedrohtesten Gesellschaften unseres Planeten. Die Kawahiva und andere Völker werden durch die Gewalt Außenstehender, die ihr Land und Ressourcen stehlen, sowie durch Krankheiten wie Grippe und Masern ausgerottet, gegen die sie keine Abwehrkräfte besitzen.

Die Kawahiva sind ein unktontaktiertes Volk, das durch Gewalt und Krankheiten zerstört wird

Die Kawahiva sind ein unktontaktiertes Volk, das durch Gewalt und Krankheiten zerstört wird

© FUNAI

Im Süden Brasiliens haben Farmer das Gebiet der Guarani verwüstet. Fast ihr gesamtes Land wurde gestohlen. Während Guarani-Kinder verhungern, werden die Anführer*innen von bewaffneten Farmern nacheinander ermordet. Hunderte Männer, Frauen und Kinder der Guarani begingen Selbstmord.

Schließlich würde die geplante Verfassungsänderung PEC 215 Grundbesitzern die Möglichkeit geben, gegen die Anerkennung neuer indigener Territorien zu stimmen und bereits bestehende Gebiete aufzulösen. Da indigene Völker ihr Land für ihr Überleben brauchen, würde diese Änderung sie in ihrer Existenz bedrohen und ihre Menschenrechte untergraben.

Survival ist der Auffassung, dass diese Anliegen zusammengenommen einen drohenden Genozid an indigenen Völkern in Brasilien darstellen. Dieser muss verhindert werden.

Survivals Direktor Stephen Corry sagte dazu: „Indigene Völker wurden auf dem amerikanischen Kontinent jahrhundertelang kontinuierlich ausgerottet. Das muss aufhören. Anstelle indigene Völker als unangenehme Hindernisse für den ‚Fortschritt‘ zu betrachten, muss Brasilien erkennen, dass sie ein wesentlicher Teil der modernen Nation sind. Sie verdienen es, dass ihre Landrechte geschützt werden, damit sie überleben und fortbestehen können. Politische Krise hin oder her – dies sind wichtiger Anliegen, die ernst genommen werden müssen. Im Vorfeld der Olympischen Spiele schauen alle Augen auf Brasilien. Die heutige Generation von Brasilianer*innen sollte dafür sorgen, dass sie positiv in die Geschichte ihres Landes eingeht.“