„Frage von Leben und Tod“: Survival International fordert Schutz indigener Gebiete

Unkontaktierte Indigene in Brasilien. Luftaufnahme während einer Expedition der brasilianischen Regierung im Jahr 2010.

Unkontaktierte Indigene in Brasilien. Luftaufnahme während einer Expedition der brasilianischen Regierung im Jahr 2010.

© G.Miranda/FUNAI/Survival

Der Schutz von indigenen Gebieten rund um den Globus ist entscheidend, um zu verhindern, dass Tausende von Indigenen am Coronavirus sterben, sagte Survival International heute.

Obwohl die ganze Welt inzwischen versteht, wie gefährlich neue Krankheiten sein können, ermutigt Brasiliens Präsident Bolsonaro fundamentalistische Missionare, Kontakt zu unkontaktierten Amazonasvölkern aufzunehmen, die keine Abwehrkräfte gegen neu eingeführte Krankheiten haben.

Er hat einen evangelikalen Missionar ernannt, der die Abteilung für unkontaktierte Völker leiten soll, und die New Tribes Mission (auch Ethnos360) – eine der größten fundamentalistischen Missionsorganisationen – will unkontaktierte Völker im Javari-Tal ins Visier nehmen. Nirgendwo sonst leben mehr unkontaktierte Völker.

Eode auf der Missionsbasis der New Tribes Mission, 1979. Bei einer Menschenjagd gefangen genommen, starb er einige Tage später.

Eode auf der Missionsbasis der New Tribes Mission, 1979. Bei einer Menschenjagd gefangen genommen, starb er einige Tage später.

© Luke Holland/ Survival

Darüber hinaus erleben viele indigene Völker in Brasilien, wie die Yanomami, die Kawahiva, die Uru Eu Wau Wau, die Munduruku und die Awá, wie ihre Territorien von Goldgräbern, Viehzüchtern und Holzfällern zerstört werden. Alle Gebiete sind auch die Heimat unkontaktierter Gemeinden, die zu den bedrohtesten Gesellschaften der Welt gehören und extrem anfällig für eingeschleppte Krankheiten sind.

Die indigene Anführerin Celia Xakriaba (Brasilien) sagte: „Wir sind besonders besorgt über die unkontaktierten Völker, denn das Coronavirus könnte die Ausrottung dieser Völker bedeuten. Wir sind uns bewusst, dass die Pandemie eine Krise für die gesamte Menschheit ist. Aber wir wissen, dass die Brasilianer nicht vollständig ausgerottet werden. Für uns indigene Völker besteht jedoch eine reale Gefahr der Ausrottung.“

Sarah Shenker, Campaignerin für unkontaktierte Völker bei Survival, sagte heute: „Wenn ihre Gebiet tatsächlich geschützt werden, sollten unkontaktierte Völker relativ sicher vor der Corona-Pandemie sein. Aber viele ihrer Territorien werden für Abholzung, Bergbau und Landwirtschaft überfallen und geraubt, mit der Unterstützung von Präsident Bolsonaro, der den indigenen Völkern Brasiliens faktisch den Krieg erklärt hat. Wo Eindringlinge anwesend sind, könnte das Coronavirus ganze Völker auslöschen. Es ist eine Frage von Leben und Tod.“

Eine der vielen illegalen Goldabbaustätten im Gebiet der Yanomami.

Eine der vielen illegalen Goldabbaustätten im Gebiet der Yanomami.

© FUNAI

Shenker sagte weiter: „Neben den unkontaktierten Völker ist die Pandemie für viele andere indigene Völker besonders besorgniserregend. Ihre gemeinschaftliche Lebensweise könnte die Ausbreitung innerhalb der Gemeinden begünstigen und in einigen Fällen besteht auch eine große Entfernung zu Krankenhäusern (auf die sie in der Regel nur zur Behandlung von eingeschleppten Krankheiten angewiesen sind). Präsident Bolsonaro hat auch den indigenen Gesundheitsdienst, der in den kommenden Monaten eine wichtige Rolle spielen wird, zusammengestrichen. Dies muss dringend rückgängig gemacht werden, und denjenigen indigenen Völkern, die ihn benötigen, muss ein vollständiger Dienst zur Verfügung gestellt werden.“

Viele indigene Gemeinschaften auf der ganzen Welt stellen sich entweder selbst in ihren Wäldern unter Quarantäne (wie die Orang Rimba in Indonesien und Adivasi-Dörfer in Indien) oder schließen ihre Gebiete während der Pandemie für Außenstehende, da sich die Regierungen als unfähig oder nicht willens erwiesen haben, ihre Gebiete vor Übergriffen zu schützen.

Inzwischen sind zwei Coronafälle unter Indigenen in Brasilien bestätigt, einer davon ist verstorben.