US-Behörden stoppen Zahlungen an WWF und WCS wegen Gräueltaten

© Fiore Longo/Survival

Die US-Regierung hat mehr als 12 Millionen Dollar an Fördermitteln für den WWF, die Wildlife Conservation Society (WCS) und andere Naturschutz-NGOs gestoppt und damit der Naturschutzindustrie einen schweren Schlag versetzt. Zuvor wurde bei einer parteiübergreifende Untersuchung geprüft, ob Bundesmittel, die für den Naturschutz vorgesehen waren, Anti-Wilderei-Gruppen in Afrika unterstützt haben, die in Menschenrechtsverletzungen verwickelt sind.

Viele dieser Organisationen haben die Einrichtung und den Betrieb von Schutzgebieten in Afrika und Asien maßgeblich beeinflusst, die das Leben von Tausenden Indigenen und lokalen Anwohner*innen ruiniert haben. Darunter auch das berüchtigte geplante Schutzgebiet Messok Dja.

Das durchgesickerte Regierungsdokument enthüllt auch das Versäumnis von Naturschutzorganisationen wie dem WWF, die US-Regierung darüber zu informieren, dass Programme, die sie finanzierten, für schwere Menschenrechtsverletzungen in vielen Ländern verantwortlich waren.

Der WWF ist seit über 20 Jahren im Kongobecken tätig und unterstützt Anti-Wilderei-Einheiten, die Menschenrechtsverletzungen gegen indigene Völker begangen haben.

Der WWF ist seit über 20 Jahren im Kongobecken tätig und unterstützt Anti-Wilderei-Einheiten, die Menschenrechtsverletzungen gegen indigene Völker begangen haben.
© WWF

Das geleakte Memo kündigt eine bahnbrechende Regulierung der Finanzierung von Naturschutzvorhaben an, wie von indigenen Gemeinden und Survival International lange gefordert:

- Naturschutzorganisationen erhalten keine Bundesmittel mehr für Projekte, bei denen sie nicht die freie, vorherige und informierte Zustimmung der indigenen Völker eingeholt haben.

- Die USA werden vorerst keine Ranger, die Strafverfolgung oder „Aktivitäten im Zusammenhang mit der freiwilligen oder unfreiwilligen Umsiedlung von Gemeinden" finanzieren.

Das Memo der stellvertretenden Innenministerin der USA, Kate MacGregor, ist auf den 18. September datiert und enthält zahlreiche Enthüllungen, darunter:

- Gelder der US-Regierung wurden von Naturschutzorganisationen für nach US-Gesetzen verbotene Zwecke missbraucht. Dazu gehören Mord, schwere Folter, mehrfache Vergewaltigungen und Missbrauch.

- Der WWF und andere Organisationen verbargen das Wissen um diese Missbräuche vor den US-Behörden, deren Gelder sie erhielten.

- Die Naturschutzorganisationen weigerten sich, mit den Bundesermittlern zusammenzuarbeiten, hielten Berichte zurück, die die Missbräuche dokumentierten und unterlagen keiner externen Überprüfung.

Die Anzahl und Schwere der in dem Bericht beschriebenen Misshandlungen, an denen eine Reihe internationaler Naturschutzorganisationen beteiligt waren, zeigt das Ausmaß der Menschenrechtsverletzungen bei Naturschutzprojekten und das Versagen internationaler Geber und ihrer Gremien, diese zu überwachen.

Stephen Corry, Direktor von Survival, sagte heute: „Der WWF und andere große Naturschutz-NGOs sind sich ihrer Verantwortung für grobe Menschenrechtsverletzungen seit Jahrzehnten sehr wohl bewusst. Survival hat erstmals vor über 30 Jahren auf sie hingewiesen. Während des letzten halben Jahrhunderts habe ich persönlich Dutzende von Unternehmen und Regierungen auf ihre Missachtung indigener Rechte aufmerksam gemacht. Keiner von ihnen war so scheinheilig wie diese großen Naturschutz-NGOs. Diese Missbräuche schaden letztlich auch unserer Erde. Sie zerstören die besten Hüter des Planeten. ‘Festungsnaturschutz’ muss gestoppt werden, und die gegenwärtige Forderung von Naturschützern, 30% der Erde in Schutzgebiete umzuwandeln, muss abgelehnt werden".

Anmerkungen

- Das Memo nimmt auch Bezug auf die deutsche Entwicklungsbank KfW und ihre Erkenntnisse zu Misshandlungen in Schutzgebieten im Kongobecken. Deutschland ist einer der wichtigsten Geldgeber für Anti-Wilderei-Maßnahmen in der Region und stand wiederholt in der Kritik, für die Unterstützung von Projekten, die zur Verletzung der Rechte indigener Völker führen.

- Diese Nachricht kommt nur Tage nach dem UN-Gipfel zur biologischen Vielfalt, auf dem zahlreiche Regierungen die Forderung von WWF und WCS unterstützten, bis 2030 30% der Erde zu Schutzgebieten zu erklären. Deutschland erklärte, Ausgaben zum Biodiversitätsschutz verdoppeln zu wollen, unter anderem mit dem heiklen Legacy Landscapes Fund. Die Enthüllungen in dem durchgesickerten Bericht zeigen, wie gefährlich dies wäre.

- Die neuen Maßnahmen bedeuten, dass die US-Regierung das Projekt des WCS-Indien nicht mehr finanzieren kann, da es auf so genannte “freiwillige Umsiedlung” indigener Gemeinschaften baut. Ein Brief der von Vertreibung bedrohten Jenu-Kuruba, in dem die US-Behörden aufgefordert werden, die „Unterstützung der Pläne der indischen Regierung und des WCS, uns aus unseren Wäldern zu vertreiben", einzustellen, wurde mehr als 20 Mal an den US Fish and Wildlife Service gesandt und blieb bis heute unbeantwortet.