Film verdeutlicht die Gefahr von Biokraftstoffen für die brasilianischen Indianer

Mann vom Stamm der Guarani.
Mann vom Stamm der Guarani.
© João Ripper/Survival

Der italienisch-brasilianische Film „Birdwatchers“, der für den Goldenen Löwen bei den Filmfestspielen in Venedig nominiert ist, zeigt die Notlage der Guarani-Kaiowá in Brasilien, deren Land zerstört wird, um Biokraftstoff für Autos und andere Fahrzeuge herzustellen.

Birdwatchers („La Terra Degli Uomini Rossi“) ist eine Liebesgeschichte, die im ländlichen Brasilien spielt. In dem Film geht es um die Beziehung zwischen der Tochter eines reichen Großgrundbesitzers und einem jungen Schüler eines Guarani-Schamanen deren Welten vor dem Hintergrund von Landinvasionen, Selbstmord und Rebellion aufeinanderprallen.

Der Film ist das Schauspieldebüt von Guarani in den Hauptrollen, mit Abrisio da Silva Pedro (Guaraniname: Chirivy Potyì „oder schöner kleiner Junge“) in der Rolle des Schülers des Schamanen. Insgesamt haben 230 Guarani, die nie zuvor geschauspielert hatten, bei den Dreharbeiten mitgewirkt.

Der chilenische/italienische Filmemacher Marco Bechis, der italienische Schauspieler Claudio Santamaria (Casino Royale) und der brasilianisch Hauptdarsteller Matheus Nachtergaele haben das Drehbuch geschrieben und Regie geführt.

Ein Guarani-Schauspieler namens Ambrósio Vilhaya (Guraniname: Kunumi Taperendi oder „Junge, der so scheint wie die aufgehende Sonne“) sagte, er hoffe, der Film werde die rechtliche Annerkennung seines Landes zur Folge haben. „Das ist das, was ich am meisten hoffe: Land und Gerechtigkeit.“

Die Guarani-Kaiowá leben im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso do Sul. „Mato Grosso“ bedeutet „dichter Wald“, aber es ist kaum noch Wald übrig geblieben. In den letzten 70 Jahren haben die Guarani den Großteil ihres Landes oftmals durch brutale Vertreibungen an Viehzüchter oder Zuckerrohr- und Sojabauern verloren.

Heute bewohnen sie nur einen Bruchteil dessen, was sie früher besaßen, und viele sind als Arbeiter unter sklavenähnlichen Bedingungen auf den Farmen und Plantagen geendet. Viele ihrer Kinder leiden und einige sind an Unterernährung gestorben.

Brasilien ist seit Jahrzehnten einer der weltgrössten Hersteller von Biokraftstoff und die meisten der Autos dort fahren mit Ethanol. Das Land will zukünftig der führende Ethanolexporteur werden mit dem ehrgeizigen Ziel bis 2010 jährlich 26 Mrd. Liter zu exportieren.

Ein Großteil des Zuckerrohrs, aus dem Ethanol gewonnen wird, ist auf Land gewachsen, das ehemals von Guarani-Wald bedeckt war. Allein in Mato Grosso do Sul  gibt es 11 Zuckermühlen und Ethanoldestillerien, 30 weitere sind im Bau und insgesamt sind 84 geplant.

In den letzten 20 Jahren haben 517 Guarani-Kaiowá Selbstmord begangen, viele von ihnen waren noch Jugendliche. Die Jüngste, Luciane Ortiz, war erst neun Jahre alt. Seit einigen Jahren haben die indigenen Gruppen begonnen, ihr Land zurückzuerobern, weil sie das Warten auf ein Eingreifen der Behörden leid waren. Dies rief die gewaltsame Reaktion von Viehzüchtern und ihren bewaffneten Männern hervor, die die Indigenen einschüchtern, zusammenschlagen oder gar töten.

Survival International hat in Zusammenarbeit mit dem Film einen Fond eröffnet, um den Guarani zu helfen, ihre Rechte, ihr Land und ihre Zukunft zu verteidigen.

Survivals Direktor Stephen Corry sagte: „Ich hoffe, dieser Film wird auf die erschreckende Notlage der Guarani aufmerksam machen. Ihr  akuter Landmangel und die Biokraftstoffindustrie drohen ihre Situation noch problematischer zu machen.“

Premiere: 1.September um 19.30 Uhr, Sala Grande, Filmfestspiele Venedig
Pressekonferenz: 1. September um 11.30 Uhr, Casino (3. Etage) Filmfestspiele Venedig. Mit Marco Bechis (Regisseur und Drehbuchautor), dem italienischen Schaupieler Claudio Santamaria sowie fünf Guarani-Schauspielern

Die Guarani-Darsteller stehen für Interviews zur Verfügung. Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte Laura Engel von Survival International, Berlin unter 030-72293108 oder per Email an [email protected]

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