„Bezahlt nicht unsere Vertreibung“: Honigsammler-Volk richtet Aufruf an US-Regierung

Die Jenu Kuruba haben seit Generationen mit der einzigartigen Flora und Fauna des Nagarhole-Tigerreservates gelebt und diese gepflegt.

Die Jenu Kuruba haben seit Generationen mit der einzigartigen Flora und Fauna des Nagarhole-Tigerreservates gelebt und diese gepflegt.

© Survival

Zwei indigene Gemeinschaften, die für ihre Fähigkeiten beim Honigsammeln bekannt sind, haben an US-Behörden geschrieben und sie aufgefordert, die Unterstützung für ein Naturschutzprojekt zu streichen, das zur Vertreibung des indigenen Volkes aus den Wäldern ihrer Vorfahren führen könnte.

Die Dorfbewohner*innen, Mitglieder der indigenen Jenu Kuruba („Honigsammler“), lehnen die Finanzierung eines Projekts im Bundesstaat Karnataka durch den US Fish and Wildlife Service ab.

Das Projekt findet auf ihrem angestammten Land statt und basiert auf einer Partnerschaft der Behörden mit der Wildlife Conservation Society-India (WCS-India). Hauptziel ist es, „die von der Regierung geförderte, freiwillige Umsiedlung von Familien aus dem Waldinneren an neue Orte außerhalb des Waldes zu erleichtern“. Aber die Jenu Kuruba wollen ihren Wälder nicht verlassen. Sie betrachten die Verwendung von US-Regierungsgeldern auf diese Weise als „Beihilfe zu Plänen der Regierung und der WCS, uns aus unseren Wäldern zu vertreiben“.

Andere Jenu Kuruba wurden zuvor aus dem Nagarhole-Tigerreservat, wo WCS-India seit Jahrzehnten arbeitet, vertrieben. Sie berichteten Survival, dass sie unter Druck gesetzt wurden „freiwillig umzusiedeln“, nachdem ihr Leben im Wald unmöglich gemacht wurde, und dass ihnen keine Wahl gelassen wurde. Eine Person beschrieb es als „eine Art von Folter“.

Gurumala, ein Jenu-Kuruba-Mann, der vor etwa 30 Jahren aus dem Bandipur-Tigerreservat vertrieben wurde.

Gurumala, ein Jenu-Kuruba-Mann, der vor etwa 30 Jahren aus dem Bandipur-Tigerreservat vertrieben wurde.
© Survival 2019

Gurumala, ein ein Jenu-Kuruba-Mann, der vor etwa 30 Jahren aus einem nahe gelegenen Tigerreservat vertrieben wurde, sagte zu Survival: „Unsere Kinder waren einst unabhängig und frei; die ganze Gemeinschaft war ihr Lehrer. Als die Regierung kam, haben wir so viel verloren. Wir wurden aus dem Wald vertrieben und unser Leben wurde eingeschränkt. Jetzt haben unsere Kinder, die hier aufwachsen, keine Freiheit. Ich bin traurig, dass unsere Kinder so leben müssen. Ich bin sehr traurig, dass ich unseren Kindern und Enkeln von unserer Lebensweise erzählen muss, als wäre es nur eine Geschichte aus der Vergangenheit.“

Die WCS ist die Dachorganisation des weltbekannten Bronx Zoo. Einer der Gründer, Madison Grant, war ein berüchtigter Eugeniker und Autor des Buches „The Passing of the Great Race“, das Hitler als seine „Bibel“ bezeichnete.

Survivals Recherchen über die von der indischen Regierung geförderten „freiwilligen Umsiedlungen“ von indigenen Gruppen aus Tigerreservaten hat ergeben, dass es sich dabei um Zwangsvertreibungen handelt, die nach indischem und internationalem Recht illegal sind.

Der Brief folgt wenige Wochen nachdem Mitglieder des House Committee on Natural Resources der US-Regierung begannen, die Rolle von WCS bei der Vergabe von Naturschutzgeldern, die mit Menschenrechtsverletzungen in Verbindung gebracht werden, zu untersuchen. Im Dezember schrieb das Komitee an den Präsidenten und Geschäftsführer der WCS, Christián Samper, und bat um Informationen „über den Kenntnisstand der WCS bezüglich des Auftretens von Menschenrechtsverletzungen, die Finanzierung von Wildhütern oder Vollzugsbehörden, die Menschenrechtsverletzungen begangen haben, und Richtlinien die sich mit den Rechten indigener Völker und lokaler Gemeinden befassen“.

Ein Mitglied des US-Kongresses hat zudem einen Gesetzesentwurf vorgelegt, welcher der Regierung verbieten würde, internationale Naturschutzgruppen zu finanzieren, die Menschenrechtsverletzungen finanzieren oder unterstützen.

Der Direktor von Survival International Stephen Corry sagte heute: „Seit langem werden indigene Völker von großen Naturschutzvereinen als entbehrlich und ‘nur im Weg’ betrachten. Sie wollen sie von ihrem Land vertreiben. Aber jetzt sind zumindest einige der indigenen Gemeinden in der Lage, bei den Regierung, die finanziell hinter den Programmen stehen, Lobbyarbeit zu betreiben. Die Naturschutzprojekte selbst leisten dabei in der Regel einen schlechteren Beitrag zum Naturschutz als die ursprünglichen Bewohner*innen. Regierungen sollten keine illegalen Landnahmen finanzieren und Naturschutz-NGOs müssen lernen, die Menschen mit Respekt zu behandeln. Die Zeiten ändern sich.“