Shanti, eine Angehörige der Jenu Kuruba, protestiert zusammen mit ihrem Volk außerhalb des Nagarhole-Nationalparks in Indien.

Shanti, eine Angehörige der Jenu Kuruba, protestiert zusammen mit ihrem Volk außerhalb des Nagarhole-Nationalparks in Indien.
© Survival

Hunderte Angehörige der Jenu Kuruba haben einen unbefristeten Protest im indischen Nagarhole-Nationalpark gestartet, um die Behörden dazu zu bewegen, Vertreibungen des indigenen Volks zu stoppen und ihre Waldrechte anzuerkennen und zu respektieren.

Das indigene Volk, das für seine Fähigkeiten beim Honigsammeln bekannt ist, hat sein Lager vor dem Büro der Nagarhole Forest Rangers aufgeschlagen. Ihr angestammtes Land wurde in ein Tiger-Reservat für Tourist*innen umgewandelt, was schon jetzt zu gewaltsamen Vertreibungen vieler Jenu Kuruba durch das indische Forstministerium geführt hat. Diese Vertreibungen werden von der Wildlife Conservation Society (WCS) unterstützt.

Die Jenu Kuruba fordern: „WCS, hört auf mit eurer Drecksarbeit.“

Die Jenu Kuruba fordern: „WCS, hört auf mit eurer Drecksarbeit.“
© Survival

Das indische Forstgesetz (Forest Rights Act) gibt ihnen das Recht, auf ihrem Land zu leben, es zu „schützen“ und es zu „erhalten“. Die Landrechte der Jenu Kuruba hätten schon vor vielen Jahren anerkannt werden müssen – sie reichten ihre Ansprüche erstmals im Jahr 2009 ein. Ihnen widerfährt das gleiche Schicksal wie vielen anderen indigenen Völkern in Indien: Ihre Ansprüche werden ignoriert.

JK Thimma, ein Anführer der Jenu Kuruba aus Nagarhole, sagte heute: „Wir Indigenen wissen, wie man sich um den Wald und die Tiere kümmert und können es viel besser als die Forstbehörde. Das ist es, wofür wir kämpfen sollten. Wir wollen, dass die Forstbehörde verschwindet und uns den Wald überlässt – wir werden uns um ihn kümmern.“

Die Vertreibungen und weitere diskriminierende Maßnahmen, welchen die Jenu Kuruba ausgesetzt sind, sind Teil des Festungsnaturschutzes: Ein rassistischer und kolonialer Ansatz, der indigenen Völkern das Land raubt und es in Schutzgebiete umwandelt, die für den Tourismus geöffnet werden und zu schweren Menschenrechtsverletzungen führen.

Der Protest fällt in eine Zeit, in der Opposition und Kritik an der autoritären indischen Regierung von Premierminister Modi brutalst niedergeschlagen wird. Die Reaktion der Sicherheitskräfte auf die Proteste der Bäuerinnen und Bauern in Delhi sorgte für internationale Empörung und viele Adivasi-Aktivist*innen, wie Hidme Mariam, wurden verhaftet und eingesperrt, weil sie es wagten, ihre Stimme zu erheben.

Angehörige der Jenu Kuruba protestieren gegen die Forstbehörde und sagen: „Hört auf, unsere Rechte zu verletzen.“

Angehörige der Jenu Kuruba protestieren gegen die Forstbehörde und sagen: „Hört auf, unsere Rechte zu verletzen.“
© Survival

Seit vielen Jahren führt die indische Sektion der WCS die Forderung nach der Umsiedlung von indigenen Völkern aus Tiger-Reservaten an und behauptet, dass es sich um „freiwillige Umsiedlungen“ handeln würde, von denen die lokalen Gemeinden profitieren. Die indigene Gemeinden berichten jedoch von einer Verschlechterung der Lebensbedingungen und ihrem Wunsch, in den Wald zurückzukehren, was die US-Regierung dazu veranlasste, die Finanzierung von Umsiedlungen im Namen des Naturschutzes einzufrieren.

JK Thimma sagte gegenüber Survival: „Die WCS geht zur Forstbehörde und kehrt mit Bediensteten zurück, die uns auffordern zu gehen.“ Er fügte hinzu: „Wir wollen kein Geld. Wir wollen frei im Wald leben. Die indigenen Völker, der Wald und die Tiere sind alle eins. Wenn die Bediensteten kommen und uns erschießen, sind wir bereit zu sterben, aber wir sind nicht bereit den Wald zu verlassen.“

Einige Kinder des Honigsammler-Volks protestieren vor der Forstbehörde in Nagarhole.

Einige Kinder des Honigsammler-Volks protestieren vor der Forstbehörde in Nagarhole.
© Survival

Die Jenu Kuruba leben seit Jahrtausenden in den Wäldern Karnatakas und schützen sie. Sie verehren den Tiger und ihre nachhaltige Art der Waldnutzung sorgt für eine gesunde Tigerpopulation.

Muthamma, eine Angehörige der Jenu Kuruba, erklärte: „Wir leben schon seit Jahrhunderten mit den Tigern zusammen, wir töten sie nicht und sie töten uns nicht. Wir verehren den Tiger als eine Gottheit – wir haben sogar einen Tigeraltar im Wald. Die Naturschützer*innen aus der Stadt hingegen verstehen den Wald nicht. Solange wir am Leben sind, sind die Tiger in Sicherheit. Wenn wir verschwinden, haben die Holzfäller*innen und Wilder*innen freie Hand.“

Die Soliga, ein weiteres im Wald lebendes Volk, setzten als erstes die Anerkennung ihrer kollektiven Waldrechte in einem Tiger-Reservat durch, was dazu führte, dass die Tigerpopulation rasch zunahm – wesentlich stärker als der Anstieg der Tiger-Population im nationalen Durchschnitt.

Sophie Grig, Mitarbeiterin von Survival, sagte heute dazu: „Die Jenu Kuruba sind ständigen Belästigungen und Drohungen von Rangern ausgesetzt, die sie daran hindern, Nahrung anzubauen, Häuser zu errichten, Rituale in ihren heiligen Wäldern abzuhalten oder ihre Familiengräber zu besuchen. All dies sind eklatante Verstöße gegen ihre Rechte. Die Jenu Kuruba sind die wahren Hüter der Natur und die Beschützer der Wälder von Nagarhole – es ist allerhöchste Zeit, dass ihre Rechte anerkannt werden und sie endlich auf ihrem angestammten Land leben, es schützen und es erhalten können.“