Der Missionar Ricardo Lopes Dias ist weiterhin Leiter der Abteilung für unkontaktierte Völker von FUNAI.

Der Missionar Ricardo Lopes Dias ist weiterhin Leiter der Abteilung für unkontaktierte Völker von FUNAI.
© Ricardo Lopes Dias

Ricardo Lopes Dias, ein evangelikaler Missionar, wurde zum zweiten Mal von seinem Job als Leiter der Abteilung für unkontaktierte Völker der Behörde für indigene Angelegenheiten (FUNAI) abgesetzt.

Indigene Anführer*innen der UNIVAJA, der Organisation der indigenen Völker des Javari-Tals, die von Anfang an gegen die Ernennung von Lopes Dias gekämpft haben, feierten seinen Abschied.

Die Berufung von Lopes Dias in dieses Spitzenamt der FUNAI Anfang des Jahres war äußerst umstritten. „Wie einen Fuchs mit dem Schutz des Hühnerstalls zu beauftragen“, beschrieb Sarah Shenker von Survival die Situation damals. Lopes Dias ist ein ehemaliges Mitglied der berüchtigten Missions-Organisation New Tribes Mission (heute Ethnos360).

Quellen berichteten Survival, dass die Wut über seine Ernennung innerhalb von FUNAI groß war, da mit Lopes ein fundamentalistischer Missionar berufen wurde, dem wiederholt Inkompetenz und Arroganz vorgeworfen wurde.

Evangelikale Missionare haben unter Präsident Bolsonaro ihre Versuche massiv ausgeweitet, Kontakt zu unkontaktierten Völkern aufzunehmen. Bolsonaro will ihr Land für kommerzielle Ausbeutung öffnen und wird von den Evangelikalen unterstützt.

Ein FUNAI-Whistleblower enthüllte im September, dass Ricardo Lopes Dias das Javari-Tal, in dem mehr unkontaktierte Völker leben als irgendwo sonst auf der Erde, heimlich besucht hatte.

Die New Tribes Mission stellt Anfang des Jahres ihren neuen Hubschrauber vor, mit dem sie unkontaktierte Völker erreichen kann.

Die New Tribes Mission stellt Anfang des Jahres ihren neuen Hubschrauber vor, mit dem sie unkontaktierte Völker erreichen kann.

© NTM

Nachdem die Staatsanwaltschaft und UNIVAJA im Mai rechtliche Schritte eingeleitet hatten, wurde die Ernennung von Lopes Dias von einem Richter als rechtswidrig eingestuft und die Amtsenthebung angeordnet. Das Urteil wurde später revidiert.

Im Mai, als Lopes Dias zum ersten Mal seines Amtes enthoben wurde, kommentierte Beto Marubo von UNIVAJA: „Die indigenen Völker des Javari-Tals sind empört, dass ein Missionar für dieses Amt ernannt wurde, und hoffen, dass dies eine endgültige Entscheidung ist. Die brasilianische Justiz muss einsehen, dass die beiden Dinge völlig unvereinbar sind“.

Leonardo Lenin, Exekutivsekretär des OPI, sagte heute: „Ein fundamentalistischer Missionar an der Spitze der FUNAI-Abteilung für unkontaktierte Völker war vor allem ein Affront gegen die Selbstbestimmung dieser Völker. Die Inkompetenz von Ricardo Lopes bei Fragen öffentlicher Politik gegenüber isolierten Völkern war mehrere Male offensichtlich. Ein Beispiel war die chaotische Art und Weise, mit der er die Arbeit koordinierte, um zu verhindern, dass Covid-19 unkontaktierte und kürzlich kontaktierte Völker erreichte. Es ist jetzt offensichtlicher denn je, dass in diesem Amt jemand gebraucht wird, der sich wirklich mit diesem Thema auskennt und der die Gesetze und Regeln respektiert, welche die Rechte dieser Völker schützen.“

Sarah Shenker, Survivals Expertin für unkontaktierte Völker, sagte heute: „Es ist ein gewaltiger Sieg für die Kampagne zur Absetzung von Lopes Dias und für den Schutz des Landes unkontaktierter Völker. Indigene Organisationen und ihre Verbündeten haben den Kampf erfolgreich angeführt und die Staatsanwaltschaft hat wichtige Maßnahmen ergriffen.“

„Survival und seine Unterstützer*innen haben sich seit dem Tag, an dem Ricardo Lopes Dias Anfang des Jahres als Leiter ernannt wurde, gegen die Entscheidung eingesetzt und bei den Behörden Druck gemacht. Wir werden genau beobachten, wie es weitergeht, und wir werden weiterhin dafür kämpfen, dass das Land unkontaktierter Völker geschützt und ihr Recht, so zu leben, wie sie es wünschen, immer respektiert wird. Hoffentlich versteht Bolsonaro die Botschaft, dass er, wenn er mit seiner Völkermord-Agenda weitermacht, bei jedem seiner Schritte mit Widerstand rechnen kann.“

Es gibt mehr als 100 unkontaktierte Völker auf der Welt, die meisten davon in Brasilien, wo die Missionare Versuche der Kontaktaufnahme erneut verstärkt haben.

Es gibt mehr als 100 unkontaktierte Völker auf der Welt, die meisten davon in Brasilien, wo die Missionare Versuche der Kontaktaufnahme erneut verstärkt haben.

© G.Miranda/FUNAI/Survival

In vielen Teilen Brasiliens sind gerade die Territorien der unkontaktierten Völker die letzten bedeutenden Regenwaldgebiete, die noch intakt sind. Jetzt werden sie zur Zielscheibe von Landräubern, Holzfällern und Viehzüchtern, die den Wald in alarmierendem Ausmaß zerstören und das Überleben der unkontaktierten Völker bedrohen.

Hinweise an die Redaktion:

- UNIVAJA, Leonardo Lenin vom OPI sowie Sarah Shenker und Fiona Watson von Survival stehen für Interviews zur Verfügung (auf Portugiesisch bzw. Englisch).