Vor VW-Hauptversammlung: Organisationen fordern Stopp von Kohlenstoffprojekt in Tansania

16 Juni 2026

© Oldonyo Media
Standbild aus einem Video von Oldonyo Media, das Bewohner*innen der Gemeinde Engaruka Chini zeigt, die gegen das CO2-Projekt protestieren. © Oldonyo Media

Volkswagens Klimastrategie gerät erneut in die Kritik 

Anlässlich der Hauptversammlung der Volkswagen AG am 18. Juni 2026 erhöhen Menschenrechts- und Umweltorganisationen den Druck auf den Konzern: FIAN, Survival International, Misereor, GfbV sowie der Dachverband der Kritischen Aktionäre, fordern Volkswagen auf, das von ihnen finanzierte Kohlenstoffprojekt „Longido and Monduli Rangelands Carbon Project“ in Tansania zu stoppen. Die Organisationen werfen Volkswagen vor, seine Klimabilanz auf Kosten der Rechte indigener Maasai-Gemeinden verbessern zu wollen.

Auf der Hauptversammlung werden Vertreter*innen der Organisationen gemeinsam mit einer Vertreterin der Maasai über die konkreten Auswirkungen des Projekts vor Ort berichten. Sie berichten über drohende Einschränkungen traditioneller Weidewirtschaft sowie über fehlende Berücksichtigung von Frauen und Jugendlichen. „Das international verpflichtende Prinzip der freien, vorherigen und informierten Zustimmung wurde mehrfach verletzt. Gemeindemitglieder wurden weder ausreichend informiert noch wirksam in Entscheidungsprozesse einbezogen. Außerdem stellen Vorabzahlungen an Dorfräte eine problematische Einflussnahme dar”, so Roman Herre von FIAN.

Was die Organisationen seit Anfang 2025 wiederholt kritisieren, spiegelt sich inzwischen auch in den Beschwerdezahlen wider: Allein im April 2026 gingen mehr als 100 Beschwerden gegen das Projekt ein. „Was die Menschen vor Ort berichten, ist eindeutig: Die betroffenen Gemeinden wollen nicht jahrzehntelang den Regeln eines deutschen Konzerns unterworfen sein – auf ihrem Land, das sie seit Generationen bewirtschaften”, kritisiert Linda Poppe von Survival International.

Aus Sicht der Organisationen lösen Kompensationsprojekte die Ursachen der Klimakrise nicht, sondern verlagern die Folgen. „Konzerne, die zu den größten Verursachern der Klimakrise gehören, kaufen sich von ihrer Verantwortung frei, Emissionen konsequent im eigenen Unternehmen zu reduzieren – auf Kosten lokaler Gemeinschaften im Globalen Süden, die kaum zu der Klimakrise beigetragen haben”, sagt Selina Wiredu von Misereor.

„Volkswagen steht vor einer Richtungsentscheidung. Der Konzern muss zeigen, dass Klimaschutz und Menschenrechte zusammengehören”, erklärt Laura Mahler von der GfbV. „Projekte, die die Kontrolle Indigener Völker über ihr Land ohne ihre Zustimmung einschränken und ihre Selbstbestimmung gefährden, passen nicht in eine glaubwürdige Nachhaltigkeitsstrategie“.

Hintergrund: Das „Longido and Monduli Rangelands Carbon Project“ ist Teil eines von Volkswagen finanzierten Joint Ventures mit dem deutschen Unternehmen ClimatePartner. Auf knapp einer Million Hektar sollen Kohlenstoffzertifikate generiert werden. Lokale Vertreter*innen der Maasai berichten über zunehmenden Druck auf Maasai-Gemeinden, Verträge zu unterzeichnen, die ihre traditionellen Weidepraktiken für 40 Jahre stark einschränken können.

 

Die Pressemitteilung wird getragen von der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), dem FoodFirst Informations- und Aktions-Netzwerk (FIAN), Misereor als Mitglied des MISA-Netzwerks (Maasai International Solidarity Alliance), Survival International sowie dem Dachverband der Kritischen Aktionäre. 

Weitere Informationen:

MISA-Studie aus 2025 zum Projekt

Aktuelle MISA-Beschwerde zum Zertifizierungsprozess

Presse-Kontakte:

Misereor: Charleen Kovac, Mail: [email protected], Mobil: 0170 360 1345

FIAN: Roman Herre, Mail: [email protected], Mobil: 01520 7067 302

Survival International: Niklas Ennen, [email protected], 030 72 29 31 08

GfbV: Laura Mahler, [email protected], 03051 / 695825-3

Maasai

Indigenes Volk

Teilen