Survival fordert globalen Reise-Boykott indischer Tiger-Reservate

Diese Baiga-Frau wurde aus dem Tigerschutzgebiet Kanha vertrieben. Nach der Zwangsräumung fanden die Baiga kein fruchtbares Land mehr und leben heute unter miserablen Umständen.
Diese Baiga-Frau wurde aus dem Tigerschutzgebiet Kanha vertrieben. Nach der Zwangsräumung fanden die Baiga kein fruchtbares Land mehr und leben heute unter miserablen Umständen.

© Survival

Survival International ruft zum weltweiten “Tourismus-Boykott” von Indiens Tiger-Reservaten auf, bis die Rechte der dort ansässigen indigenen Völker wieder vollständig hergestellt und respektiert sind.

Indische Naturschutz-Behörden haben die Anerkennung indigener Rechte in Tiger-Reservaten untersagt – trotz massiver Kritik.

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Zehntausende Indigene wurden in Indien bereits illegal aus ihren Dörfern in Tiger-Reservaten vertrieben. Sie fristen ein Leben am Rande der indischen Mainstream-Gesellschaft, bedroht von Armut und Elend.

Das indische Forstgesetz garantiert indigenen Völkern das Recht, auf ihrem angestammten Land zu leben und es zu schützen.

Große Naturschutzorganisationen wie die Wildlife Conservation Society (WCS) unterstützen die Zwangsräumungen. Seit Jahrzehnten fordert die WCS „Umsiedlung“ von Indigenen aus Tiger-Schutzgebieten.

Die Jagden der britischen Kolonialeliten brachte Indiens Tiger an den Rand der Ausrottung. Doch Indigene bezahlen den Preis von Naturschutzmaßnahmen.
Die Jagden der britischen Kolonialeliten brachte Indiens Tiger an den Rand der Ausrottung. Doch Indigene bezahlen den Preis von Naturschutzmaßnahmen.

© Wikimedia

Viele indigene Völker wissen jedoch nicht, dass sie das Recht haben auf ihrem Land zu bleiben, weil Forstbehörden ihnen diese Information vorenthalten.

Hintergrundinformationen
- Die National Tiger Conservation Authority (NTCA) fordert, dass indigene Rechte in kritischen Lebensräumen des Tigers nicht anerkannt werden. Die NTCA hat keine rechtliche Autorität, um diese Verfügung zu erlassen, welche einen groben Verstoß gegen das indische Forstgesetz (Forest Rights Act) darstellt.
- In dem ersten Tiger-Reservat Indiens, in dem indigene Gemeinden ihr Recht zu bleiben durchsetzen konnten, nahm die Tiger-Population schneller zu als im nationalen Durchschnitt.

Eine Chenchu-Frau aus dem Dorf Pecheru, welches aus dem Tiger-Reservat Nagarjunsagar Srisailam zwangsgeräumt wurde. Die Chenchu berichten, dass von den 750 Familien, die in dem Dorf lebten, nur 160 die Zwangsräumung überlebten.
Eine Chenchu-Frau aus dem Dorf Pecheru, welches aus dem Tiger-Reservat Nagarjunsagar Srisailam zwangsgeräumt wurde. Die Chenchu berichten, dass von den 750 Familien, die in dem Dorf lebten, nur 160 die Zwangsräumung überlebten.

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Magegowda, ein indigener Aktivist vom Volk der Soliga in Südindien, verurteilte das Verbot und nannte es einen Verstoß gegen „die Menschenrechte und indigene Rechte im Namen des Tigerschutzes. Indigene, Tiger und Wildtiere können zusammen leben; eine Koexistenz ist möglich, weil Indigene ein tiefgründiges Wissen über die Biodiversität besitzen und wissen, wie sie Wald und Wildtiere schützen können“.

Angehörige des Jenu-Kuruba-Volkes, von denen viele aus dem Nagarhole-Nationalpark vertrieben wurden, protestierten gegen das Verbot und drohten die Straße zu dem Park zu blockieren, falls es nicht aufgehoben wird. Ein Jenu-Kuruba-Mann sagte: „Sie haben uns unter dem Vorwand vertrieben, dass wir laut wären und den Wald stören würden, aber jetzt gibt es viele Jeeps und Touristenfahrzeuge – ist das keine Belästigung für die Tiere?“

Naturschützer Brajesh Dubey sagte: „Wir werden zusehen müssen, wie mehr Menschen vertrieben werden, weil die Regierung zeigen will, dass sie sich für Tiger einsetzt. (…) Dabei ist es bewiesen, dass indigene Gemeinden helfen, Wilderei zu unterbinden und Naturschutzmaßnahmen zu fördern“.

Die Soliga haben ein außergewöhnliches Wissen über ihre Umwelt und empfinden eine tiefe Verehrung für den Tiger.
Die Soliga haben ein außergewöhnliches Wissen über ihre Umwelt und empfinden eine tiefe Verehrung für den Tiger.

© Survival

Währenddessen besuchen jährlich Tausende Tourist*innen Tiger-Reservate, und innerhalb der Reservate werden industrielle Projekte, wie der Bau von Dämmen und Uran-Suche, genehmigt.

Survivals Direktor Stephen Corry sagte: „Mehr und mehr Reisende wissen, dass hinter Indiens Tiger-Reservaten eine bittere Ungerechtigkeit steckt – die illegale Zwangsräumung von indigenen Völkern im Namen des Naturschutzes. Jetzt hat die Regierung diese Ungerechtigkeit in den Schutzgebieten verschlimmert, weil sie die Gültigkeit indigener Rechte untergräbt. Deshalb rufen wir zum Boykott aller Tiger-Reservate auf. Die Behörden müssen erkennen, dass nur entsprechende Gesetze und die Anerkennung indigener Rechte die Tiger retten können – und dass Tourist*innen keine Tiger-Reservate besuchen wollen, die von ihren rechtmäßigen Besitzern enteignet wurden.“