Zwei Adivasi-Männer blicken auf eine apokalyptische Landschaft – eine riesige Kohlemine, für die ihr angestammter Wald weichen musste.

Zwei Adivasi-Männer blicken auf eine apokalyptische Landschaft – eine riesige Kohlemine, für die ihr angestammter Wald weichen musste.

© Vijay Ramamurthy

Vertreter*innen der indigenen Völker Indiens (Adivasi) haben Premierminister Narendra Modi für sein Greenwashing angeprangert: Während er sich auf der Weltklimakonferenz in Glasgow (COP26) als Vorreiter im Kampf gegen den Klimawandel präsentiert, weitet er den Kohleabbau auf indigenem Land massiv aus.

Der Plan Modis 55 neue Kohleminen zu eröffnen, 193 bestehende Minen zu erweitern und jährlich eine Milliarde Tonnen Kohle zu fördern, wird das Land und die Lebensgrundlage Zehntausender Indigener zerstören. 80 % der neuen Minen befinden sich auf dem Land der Adivasi.

Riesige Flächen der angestammten Wälder der indigenen Völker Indiens werden ohne die Zustimmung der Bevölkerung verkauft. Konzerne wie Adani, Jindal und Vedanta reißen die Kohlefelder an sich, die im Rahmen von Modis Bergbau-Rausch versteigert werden.

Eines dieser Gebiete ist der Hasdeo-Wald in Chhattisgarh, in dem 20.000 Adivasi seit Generationen leben. Zwei Minen sind dort bereits in Betrieb, und eine dritte, Parsa, wurde kürzlich genehmigt. Die Parsa-Mine wird vom Bergbaugiganten Adani betrieben, dessen Projekte in Australien bereits viel internationale Kritik auf sich gezogen haben.

Die Adivasi des Hasdeo-Waldes protestieren gegen den geplanten Kohleabbau, der ihren Wald zerstören würde. Fateppur, Chhattisgarh.

Die Adivasi des Hasdeo-Waldes protestieren gegen den geplanten Kohleabbau, der ihren Wald zerstören würde. Fateppur, Chhattisgarh.

© Vijay Ramamurthy

Shakuntala, eine Anführerin der Oraon aus Hasdeo, sagte: „Wenn die Mine in den Hasdeo-Wald kommt, wird die gesamte Region – einschließlich der Adivasi-Dörfer – zerstört. Der Wald gibt uns alles, was wir brauchen. Wenn die Mine eröffnet wird, wird nichts mehr übrig sein. Alles wird entwurzelt werden. Die Erde ist unsere Mutter. Wir sind ihre Söhne und Töchter. Wie können wir einfach zusehen, wie jemand unsere Mutter zerstört? Wir sind bereit, unser Leben für Mutter Erde zu geben.“

„Wann immer die Regierung will, verteilt sie unser Land an die Industrie und für den Kohlebergbau. Wir Adivasi sind also nicht frei. Wir akzeptieren diese Sklaverei nicht. Wir werden alles geben, was wir haben, um uns gegen diese Sklaverei zu wehren: unsere Körper, unsere Seelen, unser Leben – aber wir werden sie niemals akzeptieren. Wir werden unsere Wälder und unser Land nicht einfach hergeben. Wenn wir das tun, wird die Existenz der Adivasi für immer verloren sein.“

Phillip, ein indigener Aktivist und Angehöriger der Oraon. Das Land seines Volkes (im Hintergrund) wurde durch eine riesige Kohlemine in zwei Hälften geteilt.

Phillip, ein indigener Aktivist und Angehöriger der Oraon. Das Land seines Volkes (im Hintergrund) wurde durch eine riesige Kohlemine in zwei Hälften geteilt.

© Survival

Phillip, ein Oraon-Aktivist aus Jharkhand, sagte: „Wir Adivasi können die Erde retten … aber sie sehen darin keinen Wert. Sie wollen nur, dass wir tot sind … Die Müllkippe, die Sie hinter mir sehen, steht exemplarisch dafür, was Modi von uns Adivasi hält. Ich möchte zu Modi sagen: ‚Du wirst nicht lange an der Macht bleiben.‘ An Adani und Ambani: ‚Auch Großkonzerne wie ihr müssen aufpassen. Wir Adivasi werden euch nicht einfach unser Land überlassen.‘ Denn wenn etwas die Welt retten kann, dann ist es die Weltanschauung und das Wissen der indigenen Völker. Es gibt keinen anderen Weg. Sie zerstören die Umwelt, die das Leben der Adivasi ist, durch den Bergbau. Hört mir gut zu: ‚Ändert euch, oder die Natur wird euch eines Besseren belehren.‘“

Athram, ein Anwalt und Anführer der Gond aus Andhra Pradesh, sagte: „Jetzt findet ein weltweiter Umweltschutz-Gipfel [COP26] statt und ich möchte die Regierungsvertreter*innen, die an diesem Gipfel teilnehmen, warnen: ‚Ihr redet über Umweltschutz, aber die Adivasi sind die wahren Hüter der Umwelt.‘ Die Regierung bringt so viele Projekte hierher, um die indigenen Völker zu zerstören. Die Umwelt wird zerstört. Unsere Kultur, unsere Lebensweise und unsere Wälder werden von dieser Regierung zerstört.“

„Dieselben Regierungsvertreter*innen gehen zu Gipfeltreffen wie diesem, um zu lügen und zu behaupten, dass sie die Umwelt retten und so weiter. Mit welch großer Lüge können sie durchkommen? Die Zerstörung unserer Gemeinden und der Umwelt durch die Durchsetzung zerstörerischer Projekte auf unserem Land ist gegen das [Pariser] Abkommen. Hier zerstören sie unser Volk und dort [in Glasgow] sprechen sie über Umweltschutz, als ob sie den Planeten alleine schützen würden. ‚Warum lügt ihr so? Wir Adivasi … können uns um unser Land kümmern – wir wissen, wie wir es schützen. Wir wollen unser Land, unser Territorium. Wer seid ihr eigentlich? Ihr sitzt irgendwo in Delhi und geht dann zu Gipfeltreffen wie diesem und sprecht, als ob ihr „große Umweltschützer“ wärt. Hört auf zu lügen!‘“

Mukesh, ein Ho-Aktivist aus Jharkhand, sagte: „Ich möchte diese Botschaft an die Regierungsvertreter*innen der COP26 senden, die der Meinung sind, dass sie unsere gemeinsame Umwelt retten können, während sie gleichzeitig den Bergbau und die Industrialisierung weiter vorantreiben. Wegen des Bergbaus werden unsere Wälder abgeholzt und unsere Flüsse versanden. Wenn unsere Wälder und Ökosysteme, die unsere Schulen sind, zerstört werden, dann wird auch unser Wissen zerstört werden. Wenn unser Wissen verloren geht, ist die Zukunft des Planeten in Gefahr. Deshalb muss man, um den Planeten zu retten, die Adivasi retten, die in ihren Ökosystemen leben.“

Survival hat vor kurzem in Zusammenarbeit mit Adivasi-Vertreter*innen die Kampagne „Adivasi gegen Kohle“ ins Leben gerufen, um die indischen Behörden dazu zu bewegen, den Kohleabbau auf dem Land der Adivasi ohne deren Zustimmung zu beenden.