Öl-Gesellschaften stehlen den Chanten ihr Land

 "Dies ist der einzige Ort der Region, der sauber ist. Wir mussen dieses Gebiet sauber halten, denn wenn die Öl-Gesellschaften kommen, werden wir nicht mehr jagen und Rentiere züchten können. Das wird das Ende sein." Chanten Jäger

Russlands Stammesvölker in Siberien werden von Ihrem Land  von Öl-, Gas- und Bergbaugesellschaften fortgedrängt. Laut russischem Föderalgesetz haben sie kein Recht Land zu besitzen. Die Chanten sind eines der 30 Stammesvölker Siberiens und ihre Erfahrung in dieser Sache ist nicht neu: sie wurden von Öl- und Gasgesellschaften ausgebeutet und von ihrem eigenen Land verbannt. Viele wurden dezimiert durch Selbstmorde und Alkoholismus.

 Wie alle Stammesvölker Russlands, litten auch die Chanten stark unter dem Regim der ehemaligen Sovietunion – sie waren gezwungen in Kolchosen einzutreten, ihre Religion wurde von den Behörden verboten, die Schamanen getötet. Diese Verbrechen konnten ihren Widerstand aber nicht brechen. Als das Kolchosensystem aufgelöst wurde, kehrten sie in ihr Land zurück um wieder zu jagen, fischen und Rentiere zu züchten. 1960, als die Öl- und Gasindustie in ihr Land eingedrungen ist, wurde diese Lebensweise erneuten Bedrohungen ausgesetzt.

 Als die Gesellschaften kamen, haben sie begonnen Städte zu bauen. Die heiligen Wälder und Seen der Chanten wurden verschmutzt, die Rentiere getötetet, das Wild vertrieben. Viele Chanten wurden gezwungen ihr Land zu verlasen und in sogenannte "Ureinwohnerdörfer" umzusiedeln. 1994 gab die Mansiisk Behörde denjenigen, die noch von der Jagd und vom Fischfang lebten Landbesitzurkunden. Denen, die aus ihrem Land aber bereits vertrieben wurden, blieben diese Landbesitzurkunden vorenthalten.

Laut lokaler Legislative können die jenigen die eine Landbesitzurkunde besitzen den Öl-Gesellschaften den Eintritt auf ihr Land verbieten, oder gegen eine Entschädigung einwilligen. Die Realität ist aber anders: die Öl-Gesellschaften fangen oft ungefragt mit den Bohr- bzw. Strassenbauarbeiten an. Sie versuchen den Chanten weiszumachen, sie könnten die Erschließung ihres Landes nicht verhindern. Auch wenn sie  Schadenersatz-Ukrunden unterzeichnen, gehen sie am Ende oft leer aus, denn die Industiegesellschaften stehen in der Regel nicht zu dem was sie versprechen – ein Schneemobil, einen Außenbordmotor oder Lebensmittel als Entschädigung für die Zerstörung des eigenen Landes.

 In vielen Regionen sind Wälder durch die Ölindustrie gechädigt oder zerstört worden. Es wird 100 Jahre dauern, bis die Rentiere wieder in wieder dorthin zurückkehren können. Die Gier nach Öl und Gas hat die Chanten ignoriert und an den Rand gedrängt.

 Die Lebensdauer der Eingeborenen Siberiens ist sichtbar kurzer als die der russischen Einwohner. Demitri, ein 37 Jahre alter Rentierzuchter, hatte 27 Mitschüler in der Schule. Heute leben von denen nur noch 6 oder 7. Zwei erhängten sich, andere starben an Alkoholismus. Chanten, die ihr Land verloren, oder gezwungen waren ihre Herden oder das Fischen und Jagen aufzugeben  neigen oft zum erhöhtem Konsum von Vodka – den die Ölarbeiter liefern.

Die Chanten wünschten, dass die Ölfirmen niemals in ihrem Land aufgetaucht wären. Aber viele können nicht mehr ohne die minimalen Kompensationszahlungen der Firmen leben. Es gibt nicht mehr genug Wild und die traditionellen Transportmittel reichen nicht für die langen Distanzen zu sauberen Fischgebieten. Deshalb brauchen die Chanten moderne Schneemobile. Die Chanten brauchen angemessene Kompensation von den Indrustriegesellschaften. In den Gebieten, die derzeit noch nicht von der Industralisierung betroffen sind, brauchen sie das Recht "nein" sagen zu können.

Im russichen Föderalgesetz müssen Änderungen vorgenommen werden, die Rechte der Stammesvölker Siberiens – wie z.B. der Chanten – auf das Land und dessen Natur- und Bodenschätze behandeln und respektieren. Diese Rechte dürfen den eigentlichen Inhabern nicht genommen werden – weder durch Einschüchterung noch durch Bestechung. Die indigenen Organisationen Russlands, die sich für die Rechte der Stammvölker bei der Regierung einsetzen, kämpfen seit Jahren dafür, dass die Regierung die ILO Konvention 169, die das Recht der Indigenenvölker behandelt und auch das sogenannte Landbesitzrecht einschliesst, ratifiziert.

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