Nominierungen für „Rassist des Jahres“-Preis bekannt gegeben

Der Cartoon von Bill Leak aus The Australian wurde heftig für Rassismus gegen Aborigines kritisiert

Der Cartoon von Bill Leak aus The Australian wurde heftig für Rassismus gegen Aborigines kritisiert

© Bill Leak/ The Australian

Survival International hat die Nominierungen für seinen „Rassist des Jahres“-Schmähpreis bekannt gegeben, der jährlich an Personen vergeben wird, die besonders gravierende Vorurteile gegen indigene Völker offenbaren.

Die vier Nominierten, die es 2016 in die engere Wahl geschafft haben, sind:

- Bill Leak: Der australische Cartoonist wurde heftig für seine Zeichnung kritisiert, die einen Aborigine als betrunkenen und verantwortungslosen Vater porträtiert.

Australiens Indigenen-Minister Nigel Scullion erklärte: „Ich würde an The Australian appellieren, sich bewusster zu machen, welche Folgen Cartoons wie der heute veröffentlichte für indigene Gemeinden haben … Es gibt absolut keinen Platz für die Darstellung rassistischer Stereotype.“

Bill Leak lehnt eine Entschuldigung ab.

- Die Organisator*innen der Paralympischen Spiele in Rio 2016: Sie erklärten Kindstötung, sexuellen Missbrauch, Vergewaltigung, Sklaverei und Folter zu „traditionellen Praktiken“ von Brasiliens indigenen Völkern.

Die Organisator*innen unterstützen zudem „Muwajis Gesetz“, eine vorgeschlagene Gesetzesänderung, mit deren Hilfe evangelikale Missionare indigene Familien trennen wollen.

In einer Konsultation zum Gesetz, organisiert von UNICEF, erklärte ein Indigener: „Die weißen Menschen töten uns und werden dafür nicht festgenommen. Wir sehen uns diesem rassistischen Gesetz gegenüber: Unsere Mörder werden nicht von einem speziellen Gesetz beschuldigt, wir schon.“

Botswanas Präsident Ian Khama: ein „primitives Leben voller Entbehrungen“.

Botswanas Präsident Ian Khama: ein „primitives Leben voller Entbehrungen“.

© Foreign and Commonwealth Office

- General Ian Khama, Präsident von Botswana: Er erklärte, dass die Kalahari Buschleute ein Leben „in Rückständigkeit“ führen, ein „primitives Leben voller Entbehrungen“ und ein „urzeitliches Leben einer vergangenen Ära“.

Die Regierung unter General Khama verweigert den Kalahari-Buschleuten den Zugang zu ihrem angestammten Land, nachdem sie 2002 unter Zwang vertrieben wurden. Die meisten leben noch immer in Armut in Umsiedlungslagern der Regierung, obwohl das Oberste Gericht 2006 entschied, dass sie ein Recht auf ihr Land haben. Die Buschleute werden als Wilderer angeklagt oder es wird auf sie geschossen, wenn sie jagen, um ihre Familien zu ernähren.

- Gurmeet Ram Rahim Singh: Der indische Regisseur beschreibt in seinem Film „MSG-2 the Messenger“ indigene Völker in Indien (bekannt als Adivasi) als „teuflisch“ und fordert ihre Integration in die indische Mainstream-Gesellschaft.

Indigenen-Aktivist Gladson Dungdung sagte: „Ich verurteile diesen Film entschieden und verlange, dass er verboten wird. Der Film stellt Adivasi als teuflisch dar. Dies entblößt deutlich die rassistische Einstellung von nicht-Indigenen gegenüber Adivasi. Wir müssen diese Erniedrigung und Abwertung stoppen.”

Indigene Völker werden als rückständig und primitiv dargestellt, nur weil sich ihr Gemeinschaftsleben sich von unserem unterscheidet. Industrialisierte Gesellschaften setzen indigene Völker Rassismus, Sklaverei und Völkermord aus, damit sie im Namen von „Fortschritt“ und „Zivilisation“ deren Land, Ressourcen und Arbeitskraft rauben können.

Stephen Corry, Direktor von Survival International, sagte: „Die Ansichten, die unsere Nominierten in diesem Jahr zeigen, wären in der Kolonialzeit nicht weiter aufgefallen. Der Irrglaube, dass ganze Völker „rückständig“, „elendig“ oder „moralisch verkommen“ seien, war schon immer eine Entschuldigung dafür, ihr Land zu rauben und sie gegen ihren Willen in den Mainstream zu integrieren.“