Botswanas Präsident erhält „Rassist des Jahres“-Schmähpreis

Botswanas Präsident Ian Khama erhält Survivals „Rassist des Jahres“-Preis 2016, für seine herabwürdigende Beschreibung der indigenen Buschleute

Botswanas Präsident Ian Khama erhält Survivals „Rassist des Jahres“-Preis 2016, für seine herabwürdigende Beschreibung der indigenen Buschleute

© Foreign and Commonwealth Office

Survival International verleiht den Preis „Rassist des Jahres 2016“ an Botswanas Präsident Ian Khama. Die Auszeichnung wird jährlich an die Person verliehen, die die gravierendsten Vorurteile gegen indigene Völker zeigt.

Präsident Khama erklärte, dass die Kalahari-Buschleute ein Leben „in Rückständigkeit“ führen, ein „primitives Leben voller Entbehrungen“ und ein „urzeitliches Leben einer vergangenen Ära“. Er zweifelt damit die Existenzberechtigung der Buschleute an und impliziert, dass sie auf einer Evolutionsleiter unterhalb anderer Menschen stehen.

In einem Interview im Jahr 2014 sagte er außerdem, dass die Buschleute eine „ausgestorbene Lebensform, eine sehr rückständige Form des Lebens“ führen.

Khamas Regierung verweigert den Kalahari-Buschleuten seit Jahren den Zugang zu dem Land ihrer Vorfahren, von dem sie in mehreren Räumungswellen 1997, 2002 und 2005 gewaltsam vertrieben wurden. Die meisten der Betroffenen leben noch immer in Armut in den Umsiedlungslagern der Regierung, obwohl Botswanas Oberstes Gericht 2006 die Landrechte der Buschleute bestätigte.

Inzwischen hat die Regierung den Buschleuten die Jagd untersagt, obwohl Botswanas Oberster Gerichtshof dies mit einem Todesurteil verglichen hat. Sie werden der „Wilderei“ bezichtigt, wenn sie auf ihrem Land jagen, um ihre Familien zu ernähren. Einige wurden bei der Jagd auf Antilopen sogar beschossen.

Die meisten Buschleute leben immer noch in den Umsiedlungslagern der Regierung, in denen Armut und Krankheit weit verbreitet sind. Die Regierung behauptet, ihre Lebensweise als Jäger und Sammler in der Kalahari sei „rückständig“ und „primitiv“.

Die meisten Buschleute leben immer noch in den Umsiedlungslagern der Regierung, in denen Armut und Krankheit weit verbreitet sind. Die Regierung behauptet, ihre Lebensweise als Jäger und Sammler in der Kalahari sei „rückständig“ und „primitiv“.

© Survival International

Im August 2016 berichtete Survival, dass Polizeibeamte eine Gruppe von jagenden Buschleuten aus einem Hubschrauber heraus beschossen hatten, während sie eine Antilope jagten. Die Männer wurden anschließend verhaftet, nackt ausgezogen und in der Haft geschlagen.

In Anbetracht der Schwere der Bemerkungen des Präsidenten und der anhaltenden Verfolgung der Buschleute durch seine Regierung, hat Survival sich entschlossen, ihm den Preis zu verleihen.

Zu den bisherigen Preisträgern gehört der brasilianische Politiker Fernando Furtado, der 2015 den Preis für seinen Aufruf erhielt, brasilianische Indianer den Hungertod sterben zu lassen und sie „einen Haufen kleiner Schwuler“ nannte. 2014 erhielt mit Luis Carlos Heinze ebenfalls ein brasilianischer Politiker den Preis, nachdem er erklärt hatte: „Die Regierung (…) liegt im Bett mit den Schwarzen, Indianern, Schwulen, Lesben, all den Verlierern. Dort werden sie geschützt und kontrollieren die Regierung.“

2016 waren neben Khama unter anderem die Organisator*innen der Paralympischen Spiele 2016 sowie der australische Cartoonist Bill Leak nominiert.

Buschleute werden der „Wilderei“ beschuldigt wenn sie jagen, um ihre Familien zu ernähren. Gleichzeitig wird Großwild-Trophäenjagd durch Tourist*innen gefördert.

Buschleute werden der „Wilderei“ beschuldigt wenn sie jagen, um ihre Familien zu ernähren. Gleichzeitig wird Großwild-Trophäenjagd durch Tourist*innen gefördert.

© Forest Woodward / Survival, 2015

Es ist zu hoffen, dass anhaltender Druck auf die Regierung von Botswana diese schließlich überzeugen wird, den Buschleuten zu ermöglichen, nach Hause zurückzukehren und auf ihrem Land zu jagen. 2016 feiert Botswana den 50. Jahrestag seiner Unabhängigkeit und erhält mit einem Hollywood-Film über den Vater von Präsidenten Khama mediale Aufmerksamkeit. 2017 wird Botswana zudem Partnerland der weltweit größten Reisemesse ITB in Berlin sein.

Indigene Völker werden als „rückständig“ und „primitiv“ dargestellt, nur weil sich ihr Gemeinschaftsleben von unserem unterscheidet. Industrialisierte Gesellschaften setzen indigene Völker Rassismus, Sklaverei und Völkermord aus, damit sie im Namen von „Fortschritt“ und „Zivilisation“ deren Land, Ressourcen und Arbeitskraft rauben können.

Der Direktor von Survival International, Stephen Corry, sagte: „Die Liste an Misshandlungen, die die Buschleute unter Ian Khama erlebt haben, ist konkurrenzlos. Offenbar treibt tief verwurzelter Rassismus die Verfolgung der indigenen Bevölkerung seines Landes an. Khama offenbart Ansichten, die zurück in die Kolonialzeit gehören und ein dunkles Echo der Vorurteile sind, die der britische Imperialismus brachte. Indem wir ihm diese Auszeichnung geben, hoffen wir, anti-indigenem Rassismus breitere Aufmerksamkeit zu verschaffen und seine Regierung dazu zu bewegen, die Buschleute besser zu behandeln."