Yano (Gemeinschaftshaus) einer unkontaktierten Yanomami-Gemeinde im brasilianischen Amazonasgebiet, fotografiert aus der Luft im Jahr 2016.

Yano (Gemeinschaftshaus) einer unkontaktierten Yanomami-Gemeinde im brasilianischen Amazonasgebiet, fotografiert aus der Luft im Jahr 2016.

© Guilherme Gnipper Trevisan/FUNAI/Hutukara

Eine Gemeinschaft von rund 100 unkontaktierten Yanomami ist ernsthaft gefährdet von Goldgräbern angegriffen zu werden, die nur 12 km von ihrem Yano (Gemeinschaftshaus) entfernt arbeiten. Ein weiteres größeres Bergbaulager befindet sich 42 km entfernt.

Eine Reihe von Satellitenbildern , die zwischen 2020 und 2021 aufgenommen wurden, veranschaulichen die Gefahr. Sie zeigen die Flugpisten, von denen aus die illegalen Bergbaulager versorgt werden, sowie die zunehmende Abholzung durch den Bergbau.

Die Nähe der Bergbaulager bedeutet, dass ein gefährliches Zusammentreffen zwischen Yanomami und Bergleuten unmittelbar bevorstehen könnte. Dadurch würden die Indigenen Krankheiten wie Covid-19, Grippe und Malaria aussetzt, gegen die sie keine Abwehrkräfte besitzen. Viele würden wahrscheinlich daran sterben.

Von den Yanomami-Gemeinschaften führen zahlreiche Pfade in den Wald, die von den Familien täglich genutzt werden, um zu den Bächen zu gelangen, in denen sie fischen, und um in den Waldgärten Obst und Gemüse zu sammeln. Yanomami-Jäger*innen können auf ihren manchmal tagelangen Jagdausflügen leicht mehr als 12 km entlang der Waldpfade zurücklegen.

Die Goldgräber*innen sind wahrscheinlich bewaffnet, so dass die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass eine Begegnung gewalttätig werden könnte. Letztes Jahr warnte Davi Kopenawa, Präsident der Yanomami-Organisation Hutukara, dass die unkontaktierten Yanomami, bekannt als Moxihatetea, “bald ausgerottet sein könnten” und “so oft geflohen sind, dass sie jetzt nirgendwo mehr hin können”.

Die Yanomami in der Gemeinde Palimiú fliehen, als illegal tätige Bergleute von einem vorbeifahrenden Boot aus das Feuer auf sie eröffnen.

Die Yanomami in der Gemeinde Palimiú fliehen, als illegal tätige Bergleute von einem vorbeifahrenden Boot aus das Feuer auf sie eröffnen.
© Survival

Im Jahr 2020 töteten Bergleute zwei Yanomami, und im Laufe dieses Jahres haben schwer bewaffnete Bergleute zahlreiche bewaffnete Angriffe auf Yanomami-Gemeinden verübt.

FUNAI, die Regierungsbehörde für indigene Angelegenheiten, weiß seit mehreren Jahren, dass Bergleute in gefährlicher Nähe zu den unkontaktierten Yanomami arbeiten. In einem Akt krimineller Fahrlässigkeit schloss sie 2017 ihren Schutzposten und ließ die Gemeinschaft völlig ungeschützt zurück. Ein Jahr später berichtete Hutukara, dass Bergleute verdächtigt wurden, zwei unkontaktierte Moxihatetea getötet zu haben.

Der Schutzposten wurde erst Ende 2020 wieder eröffnet und FUNAI sagt, dass sie Maßnahmen ergriffen hat, um den Bergbaubetrieb zu beenden. Diese waren jedoch nicht wirksam und die unkontaktierten Yanomami sind weiterhin gefährdet.

Das Yanomami-Territorium wird von 20.000 Bergleuten ausgebeutet, die mit leistungsstarken Baggern arbeiten und in kurzer Zeit Flussbetten und große Waldgebiete zerstören. Sie gewinnen das Gold mithilfe von Quecksilber, das die Fische und das Wasser, das die Yanomami verzehren, verseucht. In einigen Gemeinden haben Yanomami inzwischen tödliche Quecksilberwerte im Körper. Malaria-übertragende Moskitos vermehren sich schnell in den Wasserlachen, die durch die Gruben entstanden sind, und viele Bergleute sind mit Malaria infiziert und verbreiten die Krankheit unter den Yanomami.

Yanomami-Mutter und Kind in einer Gemeinde, in der durch die Invasion der Goldsucher Krankheiten ausgebrochen sind, 1990.

Yanomami-Mutter und Kind in einer Gemeinde, in der durch die Invasion der Goldsucher Krankheiten ausgebrochen sind, 1990.

© Antonio Ribeiro/Survival

Der Bergbau ist gut finanziert und es gibt Hinweise darauf, dass kriminelle Banden wie das Primeiro Comando da Capital (PCC) und Drogenhändler in das Gebiet eingedrungen sind. Einige von ihnen haben kürzlich ein Video online gestellt, in dem sie mit ihren Taten prahlen.

“Operação Omama” – eine gemeinsame Operation gegen illegalen Bergbau von Bundespolizei, Armee, FUNAI und anderen Regierungsbehörden – wurde am 29. Juni eingeleitet. Einige Flugzeuge, Bagger und Treibstoff wurden beschlagnahmt. Dies ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Anfang September protestierten Yanomami in der Hauptstadt des Bundesstaates Boa Vista und forderten die Regierung auf, langfristige Maßnahmen zu finanzieren, um alle Bergbaubetriebe zu schließen, alle Bergleute aus ihrem Gebiet auszuweisen und sich zu einem wirksamen Schutzkonzept zu verpflichten.

Die Kongressabgeordnete Joenia Wapichana, Dario Kopenawa Yanomami und andere indigene Führer*innen aus Brasilien trafen sich mit Michelle Bachelet, der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, um das Versagen der Regierung bei der Wahrung ihrer verfassungsmäßigen Rechte zu diskutieren. In ihrem Bericht an den UN-Menschenrechtsrat schreibt Bachelet: “In Brasilien bin ich beunruhigt über die jüngsten Angriffe auf Angehörige der Yanomami und Munduruku durch illegale Minenarbeitende im Amazonasgebiet.”

Scars in the Forest – ein Bericht der Yanomami Organisation Hutukara und der Wanasseduume Ye’kwana Organisation (Seduume) enthüllte, dass die von den Bergleuten zerstörte Waldfläche bis 2020 um 30% zunehmen wird und warnte vor dem drohenden Genozid an den unkontaktierten Moxihatetea.

Survival hat sich in einem Schreiben an die brasilianischen Behörden gewandt, um die Sicherheit der unkontaktierten Moxihatetea zu gewährleisten und sie aufzufordern, die Bergleute zu entfernen, bevor es zu spät ist.