Unkontaktierten Indianern droht die Ausrottung

"Sie haben meine Mutter, meine Brüder und Schwestern und meine Frau umgebracht." Karapiru Awá, Überlebender eines Massakers.

Wenn die brasilianische Regierung zusammen mit der Weltbank und dem Bergbaukonzern CVRD nicht sofortige Hilfsschritte einleitet, droht der Stamm der Awá-Indianer für immer auszusterben.

1982 erhielten die brasilianische Regierung und CVRD mehr als 900 Millionen US-Dollar von der Weltbank und den Vereinten Nationen, um die Eisenerzablagerungen in den  Carajás-Bergen zu erschließen. Eine Bedingung dabei war jedoch, dass alle Indianer-Gebiete innerhalb des Areals des Carajás-Projekts offiziell von der Regierung anerkannt und durch die FUNAI, die Regierungsabteilung für die Rechte der Indianer, abgegrenzt werden sollten. Zwanzig Jahre später, und trotz der Verfügbarkeit des Geldes, warten die Awá im Bundesstaat Maranhão heute noch immer darauf, dass ihre Landrechte anerkannt werden. Die Abgrenzung des Gebiets wurde hauptsächlich von Politikern und Geschäftsleuten verhindert, von denen einige an großen Besitzansprüchen festhalten.

Die Verzögerung der Gebietsabgrenzung hat zu massiver Einwanderung und Zerstörung des Landes durch Siedler, Bauern und Holzfäller geführt. Dazu kommt, dass Gruppen von Awá-Stammesangehörigen in diesem Zusammenhang wiederholt und in großer Zahl attackiert und ermordet worden sind. Heute sind 276 Landesbesitztümer im Awá-Gebiet besiedelt. Die Vorstöße der Eindringlinge gehen Berichten zufolge bis ins Herz des Indianerlandes. Viele dieser Vorstöße geschahen nach 1990, Jahre nachdem von FUNAI und CVRD beschlossen worden ist, das Land der Indianer zu schützen. Survival fürchtet, die Regierung Brasiliens könne nun versuchen die Größe des Gebiets einzuschränken; es wurde ursprünglich auf 247,000 Hektar festgesetzt. Es ist jedoch wichtig, dass das gesamte Gebiet anerkannt wird. Das Territorium ist für die Awá – wie für alle indigenen Völker und Gemeinschaften – lebenswichtige Grundlage unter anderem für den Erhalt ihres nomadischen Lebensstils.

Des Weiteren ist das Gebiet der Awá ein wichtiges Bindeglied zweier indigener Gebiete, Carú im Süden und Alto Turiaçu im Norden, wo ebenfalls Awá-Stammesmitglieder leben. Es gibt klare Indikatoren dafür, dass in diesem Gebiet mindestens 50 Menschen des Awá-Stammes leben, die nach Aussagen von örtlichen FUNAI-Beschäftigten bisher keinen Kontakt zu den Siedlern gehabt haben. Diese Gruppen von Menschen sind extrem gefährdet. Im Dezember 1998 sind sechs von zehn dieser Menschen an Infektionen gestorben, die von den Eindringlingen eingeschleppt worden waren. Die Überlebenden leben heute mit weiteren Awá-Familien in einem Dorf namens Juriti. Kontaktierte Awá sowie nicht-indianische Jäger berichteten, sie hätten in den letzten Jahren regelmäßig kleine Gruppen isoliert lebender Indianer gesehen.

Die Awá sind eines der Letzten nomadisch lebenden Jäger- und Sammler-Völker in Brasilien. 1950 wurde ihre Bevölkerungszahl auf 800 geschätzt. Heute sind es weniger als 400, von denen nur noch 150 zurückgezogen in den Wäldern leben. Sie sind weit verbreitet und bewohnen mindestens vier Indianer-Territorien in Maranhão. Man glaubt, dass sie vor etwa 200 bis 300 Jahren Bauern waren, die von portugiesischen und brasilianischen Siedlern und Eindringlingen in ein  nomadisches Leben gedrängt wurden. Heute leben sie in kleinen mobilen Gruppen die im Wald des Amazonasgebietes von Ort zu Ort ziehen. Sie jagen Wild, wie z.B. Tapire, Pekaris (eine Art Wildschwein) und Affen und sammeln Früchte und Nüsse, besonders von der Babassu-Palme. Die meisten der Awá, die heute in Dörfern leben oder sonstigen Kontakt zu Siedlern haben, sind Überlebende brutaler Übergriffe und Massaker.

Die brasilianische Regierung, die CVRD und die Weltbank verletzen durch das Ignorieren der Landrechte der Awá die brasilianische Verfassung und die Richtlinien der Weltbank. Diese Tatenlosigkeit hat den Tod zahlreicher Awá und die Invasion und Zerstörung großer Teile ihres Landes zur Folge. Survival ruft auf zu sofortiger Anerkennung und Unterschutzstellung des Gebiets. Dies ist die einzige Hoffnung, das Überleben des letzten nomadisch lebenden Stammesvolkes Brasiliens zu sichern.

Sie können den Awá-Indianer in Brasilien helfen. Klicken sie hier, um einen Beschwerdebrief an die brasilianische Regierung zu unterschreiben.

Mehr Informationen erhalten Sie von Survival Deutschland; per Tel.: ++49 (0)30 29002372 oder per Email: [email protected]

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