François Perrodo, Vorsitzender von Perenco, mit einem der Autos aus seiner umfangreichen persönlichen Sammlung.

François Perrodo, Vorsitzender von Perenco, mit einem der Autos aus seiner umfangreichen persönlichen Sammlung. © Facebook

Der englisch-französische Ölkonzern Perenco setzt sich bei der peruanischen Regierung mit rechtlichen Mitteln gegen ein geplantes Reservat für unkontaktierte Völker ein – weil der Konzern vor Ort weiter nach Öl bohren will.

Sollte der Vorstoß erfolgreich sein, würde dies unkontaktierte indigene Völker, die in dem geplanten Napo Tigre-Reservat im nördlichen Amazonasgebiet Perus leben, in extreme Gefahr bringen.

Das Unternehmen sieht sich seit Jahren mit Vorwürfen von schweren Umwelt- und Menschenrechtsverletzungen in Afrika und Lateinamerika konfrontiert und agiert meist im Geheimen.

Vorsitzender von Perenco ist François Perrodo, einer der reichsten Männer Frankreichs und Hobby-Rennfahrer.

In Peru torpediert Perenco seit langem die Einrichtung des Napo Tigre-Reservats für unkontaktierte Völker. Sein jüngster Schachzug – die Einreichung einer gerichtlichen Verfügung gegen die Einrichtung des neuen Reservats – ist kein Einzelfall: Zusammen mit den Behörden der Region Loreto und mächtigen Öl- und Gasverbänden ist das Unternehmen auch an einer öffentlichen Kampagne gegen die Schaffung und den Schutz indigener Gebiete beteiligt.

Im April forderte die Allianz die Regierung auf, das Nationale Gesetz zum Schutz indigener Völker in der Isolation (in Peru als PIACI-Gesetz bekannt) aufzuheben, mit der falschen Behauptung, dass unkontaktierte Völker dort nicht existieren. Anfang August verlangte der Regionalgouverneur von Loreto in einem Schreiben an die Regierung die „Abschaffung des gesamten PIACI-Prozesses“.

Francois Perrodo bei einem Treffen mit Alan Garcia, den damaligen Präsidenten Perus.

Francois Perrodo bei einem Treffen mit Alan Garcia, den damaligen Präsidenten Perus. © Sepres

Die peruanischen Indigenen-Organisationen ORPIO und AIDESEP haben gemeinsam mit Survival International ihre Bestürzung über diese Angriffe zum Ausdruck gebracht.

Jorge Pérez, Präsident von AIDESEP, sagte: „Perenco verletzt die Menschenrechte unserer unkontaktierten Brüder und Schwestern.“

Luftaufnahmen von sogenannten Malocas (Wohnhäuser) unkontaktierter Völker in Napo Tigre.

Luftaufnahmen von sogenannten Malocas (Wohnhäuser) unkontaktierter Völker in Napo Tigre. © ORPIO

Nach einer ausdauernden Kampagne indigener Organisationen hat die Kommission, die für die Einrichtung des Reservats zuständig ist, am 25. Juli endlich die Existenz unkontaktierter indigener Völker im Napo Tigre-Gebiet anerkannt. Dieser entscheidende Schritt für das Überleben unkontaktierter Völker hatte fast 20 Jahre gedauert.

Die Klage von Perenco und die Kampagne der Öl- und Gasallianz zielen jedoch weiterhin darauf ab, den Demarkierungs-Prozess aufzuhalten. Dies würden das Überleben der unkontaktierten Völker, der am meisten gefährdeten Gesellschaften des Planeten, existenziell gefährden.

Teresa Mayo, Forscherin und Südamerika-Expertin bei Survival International, sagte heute: „Perus Regierung hat endlich die Existenz der unkontaktierten Völker des Napo Tigre-Beckens anerkannt – sie darf ihnen jetzt nicht den Rücken kehren. Der peruanische Staat hat nun die Pflicht, schnell zu handeln, um das Reservat zu schaffen und zu schützen. Wir werden nicht zulassen, dass er dem Druck von Großkonzernen nachgibt, egal wie mächtig diese auch sein mögen.“

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