Besuch britischer Abgeordneter in Botswana „von Regierung kontrolliert“

Eine Delegation britischer Abgeordneter ist gerade erst von einem von der dortigen Regierung finanzierten und organisierten Besuch in Botswana zurückgekehrt. Die von ihrem angestammten Land vertriebenen Buschmänner, von deren Lage sich die Delegation ein Bild machen sollte, haben den Besuch als „von der Regierung kontrolliert" verurteilt.

Die meisten der Abgeordneten sprachen nur ein paar Stunden lang mit Buschmännern in einem der Zwangsansiedlungslager, und die meisten ihrer Gesprächspartner waren von der Regierung ausgewählt.

Als andere Buschmänner ihren Rückkehrwillen auf ihr angestammtes Land zu erklären versuchten, wurden sie am Sprechen gehindert. Die Abgeordneten machten keinen Versuch, die mehreren hundert Buschmänner aufzusuchen, die tatsächlich auf ihr Land im Zenral Kalahari Wildreservat zurückgekehrt sind.

Trotzdem ließen sich nicht alle Abgeordneten täuschen. Dianne Abbott sagte gegenüber dem Sunday Telegraph, die Zwangsansiedlungslager seien „Flüchtlingslagern ähnlicher als Siedlungen. (…) Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie gegen ihren Willen umgesiedelt wurden."

Der Besuch war von der großen PR-Agentur Hill & Knowlton organisiert worden, die von der Regierung Botswanas und von De Beers verpflichtet wurde, um gegen den Kampf anzugehen, den die Buschmänner um ihre Landbesitzrechte führen. Es handelt sich um einen von vielen ähnlich inszenierten Besuchen unter der Führung des Abgeordneten Nigel Jones. Hill & Knowleton haben einen von ihnen geleiteten neuen und parteiübergreifenden  Ausschuss zu Botswana ins Leben gerufen, unter Vorsitz von Mr. Jones. Die Reisen werden aus Botswanas Diamanteneinnahmen (welche unter der Kontrolle von De Beers stehen) finanziert, und beinhalten Luxussafaris.

Nigel Jones erklärte vorige Woche gegenüber der BBC, sie seien nur „ein oder zwei Leuten begegnet, die nicht zufrieden waren." Als der Reporter ihm entgegenhielt, dass die Buschmänner selbst von einer „gewaltigen sozialen Erschütterung" sprächen, gab er zur Antwort, „Davon haben wir aber nichts gesehen," und fügte hinzu, „die Regierung war ziemlich großzügig." Zuvor hatte Mr. Jones denjenigen, die für eine Rückkehr auf ihr Land kämpfen, vorgeworfen, sie würden „es vorziehen, wenn Basarwa-Frauen beim Gebären im Busch" und „die Menschen an heilbaren Krankheiten sterben würden." (In Botswana werden die Buschmänner – abwertend – „Basarwa" genannt.)

Botswanas Präsident Mogae besuchte gerade vor zwei Wochen dieselbe Siedlung und verteilte Lebensmittel und Decken an die Buschmänner. Dabei sagte er ihnen, sie sollten nicht versuchen, auf ihr Land zurückzukehren, obwohl sie gerade dabei sind, wegen des Rechts auf Rückkehr gegen die Regierung zu klagen – das Verfahren wird diese Woche eröffnet.

Bis zu den Vertreibungen haben die Gana- und Gwi-Buschmänner hauptsächlich als unabhängige Jäger und Sammler gelebt. Jetzt sind sie mittellos und abhängig von Almosen der Regierung. Sie bezeichnen die Umsiedlungslager der Regieung als „Orte des Todes" und sagen, es gibt dort nichts zu tun, außer sich zu betrinken. Wenn sie versuchen zu jagen, werden sie verhaftet. Prostitution verbreitet sich.

Die Buschmänner sind die indigenen Einwohner des südlichen Afrika und leben dort, wie man annimmt, seit mindestens 40.000 Jahren.

Stephen Corry, Generaldirektor von Survival, sagte heute: „Wenn der Präsident, der in Oxford studiert hat, Decken an die Buschmänner verteilt und ihnen sagt, sie sollen nicht versuchen, auf ihr Land zurückzukehren, ist das wie der „Kauf" des Landes der kanadischen Indianer durch die Briten für 700 Decken im Jahr 1850. Damals waren britische Abgeordnete mit von der Partie, und jetzt – in der Kalahari – sind sie es wieder. Beide Vorgänge sind eine Schande für Großbritannien. Haben wir gar nichts aus der Geschichte gelernt?"

Mehr Informationen erhalten Sie von Survival Deutschland; per Tel.: ++49 (0)30 29002372 oder per Email: [email protected]

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