Buschmann-Land wird für Diamantenabbau aufgeteilt

„Die Regierung rechtfertigt sich für die Vertreibung der Basarwa [‘Buschmänner'] aus dem Wildschutzgebiet… Es sei eine nachsichtige Handlung der Regierung. Wer würde denn für immer und ewig im Mittelalter zurückbleiben wollen, während sich andere vorwärts entwickeln?" meinte Louis Nchindo, leitender Direktor von Debswana (De Beers Zweigstelle in Botswana).

Die Regierung Botswanas hat fast das gesamte Heimatgebiet der Gana and Gwi Buschmänner und Bakgalagadi des Zentral Kalahari Wildschutzgebiets, für den Abbau von Diamanten aufgeteilt. Die meisten Konzessionen wurden in der Zeit gemacht, als die Regierung letztes Jahr die Buschmänner aus ihrer Heimat vertrieben hatten.

Der multinationale BHP Billiton-Konzern hat die meisten Konzessionen erhalten. Dieser hat eine Tochtergesellschaft namens Kalahari Diamonds errichtet, welcher kürzlich 2 Millionen US-Dollar von der Weltbank zugesprochen wurden. Kalahari Diamonds bildete daraufhin ebenfalls eine Tochtergesellschaft namens Godi, mit der nun die Sondierungen ausgeführt werden sollen. Der einzige Staatsangehörige Botswanas, der Mitglied am Führungstisch von Godi ist, heißt Archie Mogwe, Politischer Berater des Präsidenten von Botswana und ehemaliger Minister für Mineralrohstoffe. De Beers, die bereits Diamantenablagerungen im Wildschutzgebiet besitzen, haben ebenfalls die Zahl ihrer Konzessionen erhöht.

Keiner der Buschmänner des Wildschutzgebiets wurde von den Konzernen oder der Regierung über solcherlei Entwicklungen auf ihrem Land befragt. Ein Betroffener erzählte Survival, "Wir sind nicht blind. Wir wissen genau, dass die Regierung uns loswerden will, um an die Ressourcen ranzukommen. Wir wissen, dass das Gebiet reiche Diamantvorkommen hat."

Die Gana und Gwi sind Jäger und Sammler, welche seit tausenden von Jahren im gleichen Gebiet leben. 1961 ist ein Großteil ihres Landes zum „Zentral Kalahari Wildschutzgebiet" erklärt worden, um das Wild, von dem die Menschen abhängig sind, zu schützen. Doch während der letzten 17 Jahre führte die Regierung von Botswana eine Vertreibungskampagne gegen die Buschmänner, welche im letzten Jahr in der Zerstörung ihrer Brunnen einen schrecklichen Höhepunkt fand. Die meisten Buschmänner sind gewaltsam vertrieben worden und leben nun in trostlosen Lagern außerhalb des Wildschutzgebiets, in denen Alkohol, HIV/AIDS, und Langeweile weit verbreitet sind.

Trotz der intensiven Einschüchterungen weigern sich ca. 50 Buschmänner standhaft das Wildschutzgebiet zu verlassen. Mindestens 50 weitere, die vertrieben worden waren, sind bislang schon zurückgekehrt. Sie sind jedoch kontinuierlichem Druck durch die örtlichen Behörden ausgesetzt, haben kaum Zugang zu Wasser und dürfen nicht jagen. Menschen aus den Lagern benötigen Besuchererlaubnisse, um das Wildschutzgebiet besuchen zu dürfen, können sich nur wenige Tage darin aufhalten, und es ist ihnen verboten, Lebensmittel für ihre Verwandten mitzubringen.

Die Regierung von Botswana weigert sich, die Landrechte der Buschmänner zu diskutieren. Stattdessen hat sie eine PR-Agentur damit beauftragt, der internationalen Kampagne zugunsten der Buschmänner entgegenzuwirken. Das ständige Sekretariat des Bergbau-Ministeriums (und der Stellvertretende Vorsitzende von Debswana) Dr. A Tombale beschrieb Survival kürzlich als ‘terroristische' Organisation; worauf die Regierung alle Survival- Informationsmaterialien in den  Schulen des Landes verbot.

Auf die Frage von Survival, wie sie mit den indigenen Völkern verfrahren würden, gab De Beers zu, dass sie dazu noch keinerlei Überlegungen getroffen hatten, da indigene (Sonder-)Rechte angeblich zu Apartheid führen würde! In Kanada hatte die starke Bewegung für indigene Rechte den Konzern allerdings gezwungen, indianischen Völkern, auf deren Land der Konzern Untersuchungen durchführen wollte, Zugeständnisse zu machen. De Beers scheint indigene Rechte nur in Ländern zu akzeptieren, in denen es keine andere Wahl gibt. In Südafrika stellt sich der Konzern solchen Tendenzen jedoch entgegen. Der Chef der Australischen Aborigine-Organisation nennt das Verhalten von De Beers „keinen Sinn machend und beleidigend".

Unterdessen hat in einem sehr ermutigenden Fall ein weiteres indigenes Volk, bekannt als ‚die Richtersvelder', einen historischen Prozess in Südafrika gewonnen. Die Oberste Instanz hatte kürzlich entschieden, dass die Ureinwohner Landrechte haben, ungeachtet der Tatsache, dass ihnen nie zuvor Besitzurkunden ausgeschrieben worden waren und die Regierung bisher immer annahm, dass sie diese Rechte nicht hätten. Genau wie die Gana und Gwi leben auch die Richtersvelder in einem Gebiet mit reichen Diamantvorkommen. Dies muss bei De Beers und der Regierung von Botswana zu Besorgnis führen, da das Rechtssystem in Botswana dem in Südafrika sehr ähnlich ist.

Nach internationalem Gesetz haben die Gana und Gwi das Recht, für sich und ihre Lebensweise selbst zu entscheiden und auf ihrem Land zu bleiben. Sie haben Survival bei ihrem Kampf um ihr Land um Unterstützung gebeten.

Mehr Informationen erhalten Sie von Survival Deutschland; per Tel.: ++49 (0)30 29002372 oder per Email: [email protected]

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