„Pygmäen“-Familie appelliert an deutsche Regierung nachdem Sohn in Nationalpark getötet wurde

Mobutu Nakulire Munganga im Krankenhaus.
Mobutu Nakulire Munganga im Krankenhaus.

© Survival International

Eine Batwa-Familie appelliert in einer Beschwerde verzweifelt an die deutschen Entwicklungshilfeorganisationen GIZ und KfW, nachdem ihr 17-jähriger Sohn von einem Parkwächter erschossen wurde.

Mobutu Nakulire Munganga betrat gemeinsam mit seinem Sohn am 26. August 2017 den Kahuzi-Biega-Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo, um Heilpflanzen zu sammeln. Im Park trafen sie auf Wildhüter, die das Feuer eröffneten.

Herr Nakulire wurde verletzt, konnte aber entkommen. Sein Sohn Mbone Christian Nakulire wurde getötet. Herr Nakulire verbrachte aufgrund seiner Verletzungen über drei Wochen im örtlichen Krankenhaus.

Die Parkwächter erhalten logistische Unterstützung und Gelder durch die Entwicklungsbank der KfW, einer staatlichen Durchführungsorganisation des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Die deutsche Regierung unterstützt die Verwaltung des Schutzgebietes seit über 20 Jahren. Nach internationalem Recht und dem verbindlichen Menschenrechtskonzept des BMZ ist die Zustimmung indigener Völker bei Naturschutzvorhaben auf ihrem Land notwendig.

„Doch bisher ist noch nie jemand gekommen, um unsere Zustimmung für den Kahuzi-Biega-Nationalpark einzuholen“, schreiben Herr Nakulire und seine Frau in der Beschwerde an die KfW und die GIZ. „Warum unterstützt und finanziert das Ministerium ihn weiter durch die Organisationen GIZ und KfW ?“

Zwischen den 1960er und 1980er Jahren vertrieben Behörden bis zu 6.000 Batwa gewaltsam aus dem Park. „Die Batwa sind heute nicht mehr gesund, wie unsere Großeltern es waren“, schreibt Familie Nakulire. „Wir kämpfen darum, genug zu essen zu haben und müssen mit neuen Krankheiten und dem Verlust vieler unserer Wald-Medikamente zurechtkommen.“

Mbone Christian Nakulire war 17 Jahre alt, als er im Namen des Naturschutzes getötet wurde.
Mbone Christian Nakulire war 17 Jahre alt, als er im Namen des Naturschutzes getötet wurde.

© Survival International

„Nichts wird je den Verlust meines Sohnes aufwiegen können, aber ich reiche diese Beschwerde ein, damit Sie mir und meinem Volk helfen können Gerechtigkeit zu erlangen und unser Land zurück zu bekommen“, bittet Herr Nakulire. „Das Ministerium und seine Organisationen müssen ihre Menschenrechtspolitik ehren und helfen, unser Leid zu beenden.“

Bereits 2016 hatte Survival darüber berichtet, dass die Gesundheit der Bayaka-„Pygmäen“ in Schutzgebieten in der Zentralafrikanischen Republik unter deutscher Entwicklungshilfe leidet.

Stephen Corry, Direktor von Survival International, sagte: „Diese Tragödie ist ein weiteres Kapitel einer langen und schmachvollen Geschichte. Zuerst wurde Herr Nakulires Volk gewaltsam und illegal vertrieben, nun riskieren sie den Tod, wenn sie versuchen zurückzukehren. Die deutsche Regierung muss ihr Versprechen einlösen, die Rechte der Batwa zu respektieren. Wenn sie nicht die Zustimmung der Batwa zu Projekten hat, sollten sie nicht dort sein.“

Hintergrundinformationen
- Die vollständige Beschwerde an die staatlichen Durchführungsorganisationen KfW und GIZ können Sie hier lesen. Die Familie hat auch eine Beschwerde bei der Wildlife Conservation Society (WCS) eingereicht. Die Naturschutzstiftung mit Sitz in New York finanziert ebenfalls den Kahuzi-Biega-Nationalpark. Diese Beschwerde können Sie hier lesen.
- Der World Wildlife Fund hat ebenfalls Parkwächter in Kahuzi-Biega finanziert und ausgerüstet.
- Im November 2015 hatten Herr Nakulire und andere Batwa mit Hilfe der Organisationen MRG und ERND bereits eine Beschwerde über die Probleme mit dem Nationalpark bei der afrikanischen Menschenrechtskommission eingereicht.
- Misshandlungen indigener Völker im Kongobecken im Namen des Naturschutzes sind kein Einzelfall, wie Survivals Bericht „Wie werden wir überleben?“ zeigt.
- Indigene Völker wie die Batwa sind von ihrer Umwelt abhängig und verwalten diese seit Jahrtausenden. Ihr Land ist keine „Wildnis“. Es gibt Beweise dafür, dass sich indigene Völker so gut um ihre Umwelt kümmern wie niemand sonst. Sie sind die besten Umweltschützer und Wächter der Natur. Sie sollten die Naturschutzbewegung anführen.
- Dennoch werden indigene Völker unrechtmäßig im Namen des „Naturschutzes” von ihrem angestammten Land vertrieben. Führende Naturschutzorganisationen unterstützen dies, indem sie sich nicht gegen die Vertreibung indigener Völker aussprechen.
- Survival International ist federführend im globalen Kampf gegen Misshandlungen im Namen des Naturschutzes.
-„Pygmäen“ ist ein Sammelbegriff, der normalerweise unterschiedliche Jäger-und-Sammler-Völker aus dem Kongobecken und im zentralen Afrika bezeichnet. Auch wenn einige Indigene den Begriff als abschätzig ansehen und ihn vermeiden, nutzen ihn andere aus praktischen Gründen und als einfache Art, sich selbst zu beschreiben.