WWF-Leitung wusste von Misshandlungen, hielt Berichte aber geheim

Eine Baka-Frau aus der Republik Kongo. WWF-finanzierte Ranger haben Baka und Bayaka getötet, vergewaltigt und gefoltert.

Eine Baka-Frau aus der Republik Kongo. WWF-finanzierte Ranger haben Baka und Bayaka getötet, vergewaltigt und gefoltert.

© Survival

Eine neue und verheerende Enthüllung von Buzzfeed News hat ergeben, dass der Direktor und der Vorstand der Naturschutzorganisation detaillierte Belege für „weit verbreitete“ Gräueltaten durch vom WWF finanzierte und ausgestattete Rangern hatten, aber die Informationen geheim hielten.

Es ist das neueste Ergebnis einer Buzzfeed-Untersuchung, die eine Reihe von geheimen WWF-Berichten ans Licht gebracht hat. Diese belegen, dass die Organisation seit Jahren weiß, dass die von ihr finanzierten Ranger in Zentralafrika schwere Menschenrechtsverletzungen an der lokalen Bevölkerung begehen.

Survival International hat die Missbräuche an Baka und Bayaka seit mehr als drei Jahrzehnten aufgezeigt, aber der WWF hat immer behauptet, über diese Vorfälle nichts zu wissen.

Es ist nun bewiesen, dass die höchsten Führungsebenen des WWF von den Missbräuchen gewusst haben, aber weiterhin die Ranger finanzierten und ausrüsteten, sowie auf die Schaffung weiterer Schutzgebiete auf dem Land von Baka und Bayaka drängten.

© Sinziana-Maria Demian / WWF

Buzzfeed hat eine Reihe von Vorfällen enthüllt:

- April 2015: Der WWF beauftragte einen indigenen Experten mit der Erstellung eines Berichts über die Arbeit der Organisation in Kamerun. Er schrieb, dass der WWF „gemeinsame Verantwortung“ für die Gewalt von Rangern trägt.

- Juli 2017: Der WWF schickte einen Berater zu einem geplanten neuen Schutzgebiet, Messok Dja, in der Republik Kongo. Dieser fand heraus, dass die Dorfbewohner*innen Angst vor „Repressionen durch Eco-Guards“ hatten.

- Januar 2018: Der WWF bat den britischen Menschenrechtsanwalt Paul Chiy, den Bericht zu Kamerun aus dem Jahr 2015 weiterzuverfolgen. Er findet „gültige“ und „stark unterbewertete“ Beweise für Menschenrechtsverletzungen.

- Dezember 2018: Der WWF bat Chiy, eine weitere Bewertung der Parks durchzuführen, die der WWF in der Demokratischen Republik Kongo, Republik Kongo und Zentralafrikanische Republik unterstützt. Sein Inhalt ist nicht bekannt.

- März 2019: Ein vertraulicher Bericht im Auftrag des WWF und der kongolesischen Regierung findet Beweise dafür, dass vom WWF unterstützte Ranger schwangere Frauen vergewaltigt und Dorfbewohner*innen gefoltert haben.

Die Naturschutzorganisation wird von Stellen in den USA, Großbritannien und Deutschland untersucht. Survival setzt sich dafür ein, dass der WWF Pläne für das neue Schutzgebiet Messok Dja (Kongo), das nicht die Zustimmung der indigenen Baka hat, vom Tisch nimmt.

Der Direktor von Survival International, Stephen Corry, sagte heute: „Der WWF weiß, dass er seit Jahren – ja sogar seit Jahrzehnten – Menschenrechtsverletzungen und kriminelle Aktivitäten finanziert. Das ist keine unglückliche Nebenwirkung seiner Arbeit. Das Problem ist in seine Kernüberzeugungen und seine Arbeitsweisen integriert, und das war es immer. Der WWF will große Gebiete kontrollieren, die eigentlich anderen gehören, und deshalb setzt er sein Geld und seinen Einfluss ein, um sie zu dominieren. Es ist eine Katastrophe für den Naturschutz, da er die Menschen zerstört, die die besten Naturschützer sind. Die breitere Umweltbewegung reagiert mit Schweigen, wenn sie damit konfrontiert wird, weil auch sie oft von dem Einfluss und dem Geld des WWF und ähnlicher großer NGOs abhängig ist.“