Brasilien: Absetzung von Missionar schwerer Schlag für Bolsonaro

Der evangelikale Missionar Ricardo Lopes Dias wurde nun als Leiter der Abteilung für unkontaktierte Völker seines Amtes enthoben

Der evangelikale Missionar Ricardo Lopes Dias wurde nun als Leiter der Abteilung für unkontaktierte Völker seines Amtes enthoben
© Ricardo Lopes Dias

Das Urteil eines Richters, das einen umstrittenen Missionar mit sofortiger Wirkung von einem Spitzenposten in einer Regierungsbehörde entfernt hat, ist ein schwerer Schlag für Präsident Bolsonaro, so eine Erklärung von Survival International.

Ricardo Lopes Dias, ein evangelikaler Missionar und ehemaliges Mitglied der New Tribes Mission (NTM)/ Ethnos 360, wurde im Februar zum Leiter der Abteilung für unkontaktierte Völker der Behörde für indigene Angelegenheiten (FUNAI) ernannt.

Die Ernennung war äußerst umstritten. Sarah Shenker von Survival sagte damals, es “ist wie einen Fuchs mit dem Schutz des Hühnerstalls zu beauftragen”. Evangelikale Missionare haben unter Präsident Bolsonaro ihre Bemühungen verstärkt, Kontakt zu unkontaktierten Völkern aufzunehmen. Bolsonaro drängt auf eine Gesetzgebung, die das Land indigener Völker für die kommerzielle Ausbeutung öffnet, und er hat starke evangelikale Unterstützung.

Die NTM in Brasilien stellte Anfang des Jahres ihren neuen Hubschrauber vor, mit dem sie unkontaktierte Völker im Javari-Tal erreichen will.

Die NTM in Brasilien stellte Anfang des Jahres ihren neuen Hubschrauber vor, mit dem sie unkontaktierte Völker im Javari-Tal erreichen will.

© NTM

Nun hat ein Richter entschieden, dass die Ernennung von Lopes Dias rechtswidrig war, und er wurde mit sofortiger Wirkung seines Amtes enthoben. Richter Antonio Souza Prudente erklärte in dem Urteil: Die Ernennung war “ein klarer Interessenkonflikt” und ein “großes Risiko für die Politik des Verzichts auf erzwungene Kontakte mit [unkontaktierten indigenen] Völkern… und für das Prinzip der Selbstbestimmung”.

Beto Marubo der indigenen Organisation UNIVAJA sagte gestern: “Die indigenen Völker des Javari-Tals wussten, dass es schädlich war, einen Missionar mit der Leitung der Abteilung für unkontaktierte Völker zu beauftragen, und hoffen, dass gegen diese Entscheidung keine Berufung eingelegt wird.”

Die Staatsanwaltschaft, die den Fall vorgebracht hatte, sagte: “Wir hatten Zugang zu Dokumenten, die von internationalen Missionsorganisationen unterzeichnet wurden, mit denen Ricardo Lopes Dias verbunden ist, und die die Beteiligung der New Tribes Mission-Brasilien, der er zehn Jahre lang angehörte, an einem Plan zur Herstellung von Zwangskontakten und zur Evangelisierung unkontaktierter Völker belegen.”

Sarah Shenker, Leiterin von Survivals Kampagne für unkontaktierte Völker, sagte gestern Abend: “Dies ist ein großer Sieg für die Verteidigung des Landes der unkontaktierten Völker. Die Ernennung von Lopes Dias war praktisch eine Kriegserklärung gegen ihr Recht auf den Schutz ihrer Territorien und das Recht, unkontaktiert zu bleiben, wenn sie das wollen.”

“Es war ein wesentlicher Teil von Bolsonaros ausdrücklicher Politik, die indigenen Völker des Landes zu zerstören – die Teams, die ihre Territorien schützen, aufzulösen und ihr Land an Holzfäller, Bergleute und Viehzüchter zu verkaufen.”

Es gibt mehr als 100 unkontaktierte Völker auf der Welt, die meisten von ihnen in Brasilien, wo Missionare ihre Bemühungen, mit ihnen in Kontakt zu treten, verstärkt haben.

Es gibt mehr als 100 unkontaktierte Völker auf der Welt, die meisten von ihnen in Brasilien, wo Missionare ihre Bemühungen, mit ihnen in Kontakt zu treten, verstärkt haben.

© G.Miranda/FUNAI/Survival

“Unkontaktierte Völker schützen derzeit riesige Gebiete mit ressourcenreichem, hoch biodiversem Wald. Unter Lopes Dias lief alles Gefahr, erst für evangelikale Missionare und dann für das Big Business geöffnet zu werden. Das hätte sehr wahrscheinlich dazu geführt, dass ganze Völker ausgelöscht worden wären. Jetzt gibt es einen Hoffnungsschimmer, dass dies nicht geschehen wird.

“Es ist ein massiver Sieg für die Kampagne, Lopes Dias entfernen zu lassen. Indigene Organisationen in Brasilien haben die Anklage angeführt, Survival hat ihre Kampagne weltweit bekannt gemacht und monatelang Lobbyarbeit bei den Behörden betrieben. Survivals Unterstützer*innen haben 10.000 E-Mails an die Behörden verschickt. Es bleibt zu hoffen, dass Bolsonaro die Botschaft erhält, dass er, wenn er seine völkermörderische Agenda fortsetzt, bei jedem Schritt mit Widerstand rechnen kann”.

Sarah Shenker und Fiona Watson von Survival stehen für Interviews zur Verfügung.